Der Steinbruch am großen Herrnberg

von | Besondere Orte

Es gibt nur wenige Stellen in unserer Gemarkung, die einem in der Nachkriegzeit in Welterod aufgewachsenen Jugendlichen besser in Erinnerung sind, als der alte Steinbruch. Das ganze Gelände in und um den Steinbruch, einschließlich eines frei zugänglichen Luftschutzbunkers, war bis Ende der 1960er Jahre ein riesiger Abenteuerspielplatz.

 

Lageplan Welterod von 1958 Ausschnitt

Aufnahmen im März 2013

Mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen kam Leben in das Gelände. Aus dem schon im Winter organisierten Material entstanden überall kleine Budchen, die von den einzelnen Dorfgemeinschaften – Kippel, Hennerdorf, Schulgass, Steinkaut usw.- errichtet wurden. Obwohl es verboten war, hatten viele Behausungen im Inneren eine Feuerstelle mit Rauchrohr nach oben.

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Leider wurde die Kamera zu tief gehalten.
Paul-Dieter Berghäuser in einem Budchen,                        Frühjahr 1958

Neben der Bautätigkeit waren Lagerleben und Geländespiele an der Tagesordnung. Eine ständige Überwachung gab es nicht. Nur der in Strüth stationierte Gemeindegendarm schaute gelegentlich oder auf Anforderung eines Dorfbewohners vorbei. Da aber seine 250er BMW schon früh zu hören war, bestand nach dem Ruf: „Achtung! De Butz kimmt!“ genügend Zeit, alles „Nichtkoschere“ in Sicherheit zu bringen.

Mit der Auflösung der Dorfschule Ende der 1960er Jahre änderte sich langsam das auf den Ort beschränkte Zusammengehörigkeitsgefühl der Jugendlichen. Außerdem entstand durch den wirtschaftlichen Aufstieg und den gesellschaftlichen Wandel der Familien der Wunsch nach besseren und sicheren Freizeitmöglichkeiten, so dass das Steinbruchgelände langsam in Vergessenheit geriet. In dieser Zeit nutzte die neu gegründete Pfahlschneiderei Schwamb das Gelände, um mit einem Dieselmotor und entsprechenden Maschinen Weinbergspfähle herzustellen. Nach deren Umzug in neue Produktionsgebäude in Lipporn wurde es wieder still in dem urigen Areal.

Zu einer Wiederbelebung kam es im Jahr1979, als die Gemeinde eine professionelle Schutzhütte und einen Bolzplatz errichtete.

Der Bolzplatz im Winter 2013

 

 Eine weitere Verbesserung gab es ab dem Jahr 2020, nachdem auf Gemeinderatsbeschluss ein Soccerfield mit Schutzzaun und einer Berieselungsanlage gebaut wurde, die ganzjährig von sportbegeisterten Jugendlichen genutzt werden kann.

Aufnahmen im November 2022