Die Herzbachmühle
Die Herzbachmühle lag einst im unteren Herzbachtal. Der Herzbach entspringt in der Naurother Schiefergrube und fließt nach ca. 10 km in die Wisper, er ist Grenzfluß zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz. Die rechte Seite gehört bis auf den Oberlauf zur Gemeinde Welterod
Ausschnitt Karte Herzogtum Nassau von 1819
Die erste urkundliche Erwähnung der Herzbachmühle aus dem Jahr 1698 ist eine Kopie der Genehmigung für den Müller Hermann Ross, zum Bau einer neuen Mühle am Herzbach. 1724 gab es Streitigkeiten mit dem Kloster Schönau, die Mühle sei auf Klostergrund erbaut. Durch Zahlungen wurde die Angelegenheit geregelt. (Hirzbachmühle HHST Abt. 140 Nr. 670).
1776 wird ein Heinrich Krauß von Obergladbach in die Herzbach-Mühle eingebürgert, als Johann, Peter Sauerwein Müller war. (HHST Abt. 164 Nr. 266)
Am 14.01.1805 ist Johann, Peter Sauerwein auf der Herzbachmühle verstorben, seine Frau Maria, Dorothea geb. Baier war schon am 31.05.1801 verstorben (.s.Familienblätter HHSt. Abt. 361, Nr. 1) . Er wohnte dort mit seiner Tochter Maria, Elisabetha und ihrem Ehemann Anton Finsterseifer, sowie deren Kinder.
Nach dem Tod von Sauerwein übernahm 1805 Georg-Wilhelm Metz, geb. am 15.09.1777 in der Dinkholdermühle, mit seiner Ehefrau Maria-Elisabeth und seinem Sohn Philipp-Henrich, geb. am 24.08.1805 auf der Dinkholdermühle, die Herzbachmühle von den Erben seines aus Diethardt stammenden Vorgängers. Lt. Stockbuch 2 der Gemeinde Welterod, Art. 65, kaufte er die Mühle in 1808.
Bereits am 31.01.1814 verstarb Georg-Wilhelm Metz an Fleckfieber, welches die Soldaten Blüchers eingeschleppt hatten. Die zu diesem Zeitpunkt schwangere Ehefrau hat ihren zweiten Sohn am 16.07.1814 auf der Herzbachmühle geboren, er erhielt den Namen Johannes; Gottfried. Dieser verhob sich 1844 an einem schweren Stein und verstarb am 12.11.1845 an inneren Blutungen.
Im Gewannenverzeichnis der Gemeinde Welterod steht:
Am Herzbach Blatt 14, Parzellen Nr.: 726, 727, 728, 729. Nr. 56 im Brandkataster
Besitzer: Georg Wilhelm Metz Witwe zu Herzbächer Mühle 23.07.1808.
Eine Mühle, zwei Stockwerke, gut in Holz, gedeckt mit Stroh. 44 Fuß lang, 23,5 Fuß tief, Stockhöhe 8 Fuß
(2 mal), Dachhöhe 19 Fuß.
Eine Scheune 34 Fuß lang, 24 Fuß tief, ein Stock 12 Fuß hoch, Dachhöhe 19 Fuß.
Schuppen/Stall, 18 Fuß lang und 6 Fuß tief, ein Stock 8 Fuß hoch, Dachhöhe 9 Fuß.
Backhaus 19,5 Fuß lang und 12 Fuß tief, ein Stockwerk 12 Fuß hoch, Dachhöhe 10 Fuß.
Wert aller Gebäude 430 Florentiner.
Einzel Wert: Backhaus 70 Florentiner
Schuppen/Stall 50 Florentiner
Scheune 230 Florentiner
Wohnhaus/Mühle 80 Florentiner
Der Sohn Philipp-Henrich Metz heiratete am 12.04.1830 Anna-Elisabeth geb. Wolf aus Geroldstein, sie hatten drei Kinder. 1) Johanna, Margaretha, Catharina * 27.02.1831 Welterod, Herzbachmühle † 05.05.1888 in Diez, ∞ mit Lehrer Wilhelm Dönges * 1823 in Nauroth 2) Philipp, Christian * 23.12.1832 Welterod, Herzbachmühle † 03.05.1911 in Nauroth ∞ 09.01.1859 mit Anna, Maria, Johannette Wolf * in Nauroth
3) Eva, Petronella, Maria * 26.01.1840 Welterod, Herzbachmühle † 14.03.1883 in Geroldstein ∞ 07.07.1867 mit Johann, Carl Wolf von Geroldstein
Lt. Stockbuch 2 von Welterod, Nr. 65 wurde die Herzbachmühle in 1833 an den Sohn Philipp-Henrich Metz und seine Ehefrau Anna, Elisabeth geb. Wolf verkauft.
Die Mutter Elisabeth verstarb 28.08.1864 mit 81 Jahren, sie hat also 50 Jahre als Witwe auf der Herzbachmühle bei ihrem Sohn und ihrem Enkel mit ihren Familien gelebt.
Der Herzbachmüller Philipp-Henrich, welcher auch bekannt war als „ Hexenmüller ” verstarb am 17.12.1870. Seine Ehefrau Anna-Elisabeth war bereits am 01.04.1865 verstorben . Also nur ein Jahr nach seiner Mutter. Die Mühle wurde allem Anschein nach aufgegeben. Sein Sohn Christian zog mit seiner Familie nach Nauroth, wo er am 03.05.1911 verstarb (s.oben) .
Lebenserinnerungen von Pauline Gaul, geb. Dönges, (1855 – 1931) Tochter von Johanna Metz und Wilhelm Dönges. Enkelin des letzten Herzbachmüllers erzählt folgendes:
„ Als Kind bin ich gerne mit meiner Mutter von Nauroth oder später von Zorn, wo mein Vater als Lehrer tätig war, zu meinen Großeltern zur Herzbachmühle gelaufen. Dort war immer etwas los und viel Trubel, da mein Onkel Christian mit seiner Familie auch dort lebte. Auch meine Tante Petronella war damals noch unverheiratet. Schon von weitem hörte man das Rauschen des Wassers und das Klipp-Klapp der Mühle. Auf der Wetterseite reichte das Dach bis zum Boden, um das Gebäude vor Wind, Regen und Schnee zu schützen. Hinten war sie sehr hoch und die niedrigen Fenster waren alle mit eisernen Stäben versehen. Dazu ein Gehöft, Scheune, Stallungen und ein einzeln stehendes Backhaus, wo Brot und Kuchen gebacken wurden. Oben darauf hatte der Knecht ein Zimmer ″. (Nachzulesen in einer Aufzeichnung von Pauline Gaul, geb. Dönges, Enkelin des letzten Herzbachmüllers, erschienen in dem „ Heimatjahrbuch Rhein-Lahn „ Ausgabe 2021).
Den Namen Hexenmüller bekam er wohl, weil er teilweise von weit her kommende Patienten, heilte. Er wußte immer schon im voraus an welchen Gebrechen sie litten. Angeblich besaß er ein sogenanntes „ Hexenbuch ”. In Wirklichkeit befragte seine Ehefrau die Leute, in Abwesenheit des Müllers, nach ihren Befindlichkeiten, während ihr Mann durch ein Loch in der Decke im Obergeschoß alles mithörte. Er schlich sich leise aus dem Haus und trat anschließend geräuschvoll wieder ein, um den Eindruck zu erwecken er sei gerade erst wieder nach Hause gekommen. Seine Behandlungen basierten auf damals gebräuchlichen Heilmitteln.
Z.B. eine Rezeptur des Müllers gegen Ungeziefer:
Die Wanzen verschwinden sofort, wenn man die Wände, Bettstellen usw. worin sie nisten, mit einer kochenden Alaunlösung bestreicht u. kehren niemals mehr an diese Orte zurück. Wenn man die Zimmerwände und die Zimmerdecken mit Kalk weißt und setzt dem Kalk vor dem Gebrauch etwas Alaun zu, so halten sich die Fliegen ebenfalls nicht in den Zimmern auf. Die Anwendung des Alauns kann in allen diesen Fällen der Gesundheit der Menschen nicht den mindesten Schaden zufügen. Das Verfahren ist bereits in vielen Departements Frankreichs bekannt und überall mit einem erstaunlichen Erfolg angewandt worden. (Abschrift aus dem Hausbuch des Familie Metz)
Zeichnung im „ Grenzregister von den Waldungen der Gemeinde Welterod ” ,
dieses befindet sich im Gemeindearchiv von Welterod unter der Nummer H 047.
Im Stockbuch von Welterod 1872-76 werden die Parzellen „ Am Herzbach ” noch verzeichnet, aber keine Gebäude mehr.
Im Brandkataster Welterod von 1874 wird die Mühle nicht mehr erwähnt.
Folgende Geschichte stand in den „ Nassauer Blättern ” von 1928:
Vom Hexenmüller im Wispertal und seinem Hexenbuch. (Von Wilhelm Krause)
(gekürzte Wiedergabe einer Erzählung des Philipp, Ludwig, Christian Saueressig, Polizeidiener, aus Oberneisen,- vormals wohnhaft in Wel= terod und dort am 06.07.1855 geboren. Die Geschichte müßte sich vor 1865 zugetragen haben, da dann die Frau des Müllers verstorben ist).
Am Ausgang des Dorfes guckte gerade der Schneider Saueressig (Vater von Philipp) durchs Fenster und sah wie wieder zwei alte Menschen, zu Fuß herkamen und ihn nach dem „ Herzbächer Müller ” fragten. Er meinte : „ Unser Bub mag Euch den Weg weisen! ” Er wußte, daß dadurch sein Sohn sich 6 oder 7 Kreuzer verdienen konnte. Dieser machte sich auch mit den alten Leutchen, die schon einen langen Weg hinter sich hatten, auf zur Herzbachmühle. Philipp berichtete unterwegs von dem Wunder-Doktor, seinen Taten und seinem Tee. Er wußte allerdings nicht, daß der Hexentee in der Hauptsache aus „ Lungenkraut ” bestand. Manche meinten: „ Für`n Kopf ist dem sein Tee, so gut wie für die Zeh.” Die Drei hatten inzwischen die „ Ullmark ” durchschritten und waren auf den Fuhrweg zur Mühle eingebogen. Als dann noch eine kurze Rast gemacht wurde, erzählte Philipp auch vom Hexenbuch. Sein Vater war im vergangenen Jahr vom Herzbacher Müller zum Schneidern auf die Mühle bestellt worden. Der ging dann mit Maß, Schere, Nadel und dem Bügeleisen in die Mühle. In der ersten Nacht stand der Vater auf und durchsuchte alle Schubladen in dem Schrank nach dem Hexenbuch. Aber durch die Geräusche war der Müller wach geworden und ging in des Vaters Kammer und fuhr denselben barsch an: „ Was suchst Du ?”. „ Ei das Hexenbuch ” war seine Antwort. Das war der Anfang und Streit das Ende. Am frühen Morgen mußte er die Mühle verlassen und hat sie nie wieder betreten.
Philipp war mit seiner Geschichte am Ende und die Drei stiegen den schmalen Pfad zum Herzbach hinab. Dreiviertelstunden waren sie von Welterod aus unterwegs, als das Ziel, die “ Herzbäacher Mühle “ erreicht war. Die Hunde kläfften auf dem Mühlenhofe und kündeten die Ankunft der Fremden an. Und während der Müller hinter den kleinen Scheiben der alten Fenster blinzte, drückte der Alte draußen dem Philipp einen Gulden in die Hand, was dem Philipp zum ersten und zum letzten Male „passiert“ ist.
Brücke und Mauerreste an der ehemaligen Herzbach-Mühle
(aufgenommen am 02.08.2006 von Berthold Back)
Verfasser: Berthold Back und Christa Debus
Quellen: Auszüge aus der Abhandlung von Eberhard Schüchen, Pfarrhaus-Archiv, Familienblätter HHStA. Wiesbaden Abt. 361 Nr.1 Kopien und Informationen, die uns von der Urenkelin der Pauline Gaul, Rosemarie Froehlich -Kassaras, zur Verfügung gestellt wurden.
