Der Schimmelhof

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Der Schimmelhof

Ca. ein Jahrzehnt bevor  in der Gemarkung Ullmark mit Unterstützung der Landsiedlung Rheinland-Pfalz die zwei Aussiedlerhöfe     „ Hof Waldeck ” und „ Hof Talblick ” entstanden sind, gab es schon einmal eine sehr primitive Ansiedlung gleich am Waldrand zum Sportplatz hin, den „ Schimmelhof ”.

Nach dem 2. Weltkrieg ist der Eigentümer, Artur Rudhard sen. mit seiner Frau und den Kindern Manfred und Artur jun. aus der Gegend um Hannover mit  einem eisenbereiften Ackerwagen und einem alten Schimmel unter schwierigen Bedingungen aus der englischen, durch die amerikanische, in die französische Zone unterwegs. Immer darauf bedacht sich dem Zugriff der jeweiligen Militärregierungen zu entziehen. Er hatte in 1947 von der Gemeinde Welterod einen  Pachtvertrag über 5 ha Ödland erworben, ein Waldrandgebiet ca. 1-2 km vom Ort entfernt.  In der ersten Ullmarker Gewann , im unteren Drittel. Als Kind war er in Welterod bei Pflegeeltern afgewachsen.

Herr Rudhardt war ein richtiger Siedlertyp, Krankheiten konnte er sich nicht leisten. Wenn er Fieber hatte, nahm er die Sense und ging mähen. Dabei schwitze er sich das Fieber aus dem Leib, sagte er. Mit Leib und Seele war er Bauer, einer  seiner Wahlsprüche war: „ Bauer ist der schönste Beruf, auch wenn er in der Scheiße versinkt!” Ähnlich sah es ja auch in seinem Stall aus, denn sein Sohn meinte: „ daß man bei uns nur mit dem Kahn durch den Stall fahren kann“.

Die Dorfbewohner hatten für ihn nur Spott übrig. Das massive Heidekraut mit seiner Verwurzelung stellte im Umbruch eine Schufterei für Mensch und Tier dar. Die Flächen waren von den einheimischen Bauern wegen der Wildschäden über mehrere Jahre nicht mehr bewirtschaftet worden. Durch die länger nicht genutzte Fläche gab es eine gute Humusbildung und dadurch gute Ernteerträge. Weitere Waldrandgebiete konnten zugepachtet werden.

Die Unterkünfte für Mensch und Vieh bestanden aus zwei halbrunden Wellblechbaracken und waren sehr primitiv. Die obere diente als Wohnraum, die untere für das Vieh. Später wurde ein Satteldach über das Ganze gebaut und diente als Scheune. Es gab keinen Strom, kein fließendes Wasser und keine Zufahrt. In heutigen Zeiten unvorstellbar.

 

Herr Rudhardt wollte seinen Hof gerne vergrößern, dazu brauchte er eine Siedlungsgenehmigung, die ihm aber vom damaligen Bürgermeister verweigert wurde.

In 1956 konnte Herr Rudhard den durch Todesfall freigewordenen Hof Esrod (früher Gut des Nonnenklosters Schönau und nach desselben Auflösung in 1606 dem Mönchskloster 1607 zugeschlagen)  bei Lipporn käuflich erwerben und der Schimmelhof, welcher landläufig auch „ Wellblechhausen ” genannt wurde, war dem Untergang geweiht. Die Wellblechbaracken wurden abgerissen, heute sind keine sichtbaren Zeugen mehr vorhanden.

Verfasser: Christa Debus und Fritz Hartung

Auszüge aus der Zeitschrift Feld und Wald Nr. 26 vom 27. Juni 1980

Bild von Fritz Hartung