1913, das Zweite Deutsche Kaiserreich hatte seine Blütezeit erreicht. Neben den bescheidenen Verbesserungen der Lebensumstände kam auch das gesellschaftliche Leben, in Form von Vereins-gründungen, in Gang. Hierzu gehörten freiwillige Feuerwehren, die mit ihrer gezielten und besseren Ausbildung als schlagkräftiger als Pflichtfeuerwehren galten. Keiner ahnte, dass sich die Zeiten bald ändern würden, was gerade für die Feuerwehren eine große Herausforderung bedeutete.

 Zeitabschnitte des Berichtes Welteroder Feuerwehrgeschichte Teil 2

2.1   1913 – 1918

2.2   1919 – 1932

2.3   1933 – 1938

2.4   1939 – 1945

Erklärungen und Quellenangaben

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Die freiwillige Feuerwehr Welterod wurde am 9. März 1913 gegründet. Welterod war im Bereich der heutigen Verbandsgemeinde die vierte Gründung. 2-005

Ältere Wehren waren:
Bogel  Gründungsjahr  1899
Nastätten  Gründungsjahr  1900
Miehlen  Gründungsjahr  1902

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Gründungsprotokoll der Freiwilligen Feuerwehr Welterod

Gründungsprotokoll
Geschehen:       Welterod, den 9. März 1913
Mittags 4 Uhr
Heute versammelten sich aus freiem Antrieb die in beiliegender Liste verzeichneten Personen von hier zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr. Derselben traten sofort 29 Mitglieder bei.2-005  Sie erwählten aus Ihrer Mitte durch Stimmzettel als Feuerwehrhauptmann den Zimmermann August Zorn, als Schriftführer den Bautechniker Ph. Hilge und als Kassierer den Zimmermann Philipp Berg. Es wurde weiter beschlossen den Feuerwehrhauptmann Herrn Kaufmann Schüler Nastätten von der Gründung zu benachrichtigen und zu bitten, uns bei der nächsten Versammlung in der weiteren Ausbildung der Wehr mit Rat und Tat zu Hand zu gehen.
Hiermit wurde die Versammlung geschlossen.                                                                                                                                                                            Ph. Hilge Schriftführer

In der konstituierenden Versammlung am 29. März 1913 2-010 übernahm man die von der Nastätter Wehr überlassenen Statuten mit kleinen Änderungen. Neben dem Feuerwehrhauptmann August Zorn wurden die Unterführer gewählt und die Löschgruppen eingeteilt.

Steigerabteilung (Leiterabteilung): Karl Weldert + 12 Mann
Spritzenabteilung:  August Kopp + 16 Mann

Noch nicht benannt waren: der Hornist (später Heinrich Hertling), die Rettungsabteilung und die Wassermannschaft. Bei letzteren wurde sicher an alle nicht unmittelbar am Brandeinsatz beteiligten FW-Männer und an freiwilliges Personal des Ortes gedacht.

 

 

 

August Zorn, der erste Wehrführer (damals noch Feuerwehrhauptmann genannt) ist der Vater von Erna Breier geb. Zorn und Reinhold Zorn.

 Der Spritzenverband Welterod/Strüth

Der Spritzenverband Welterod/Strüth blieb formell bestehen. Gemeinsame Übungsaktivitäten sind in der Folgezeit aber nicht bekannt. Die beiden vorhandene Feuerwehrspritzen und das Gerät teilte man zwischen Welterod und Strüth auf. Mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Strüth im Jahr 1934 endete die Verbindung.

Beschaffung von Uniformen und Ausrüstung für die neue Wehr

Es wurden Angebote der bekannten Lieferfirmen für Feuerwehrzubehör eingeholt. Zur Finanzierung stellte man eine Anfrage an die Gemeindevertretung, des Weiteren Unterstützungsanträge an die Kreisverwaltung, die Nassauische Brandversicherung und andere Versicherungsgesellschaften. Als die erforderlichen  Mittel in Aussicht standen, erfolgte die Vergabe der Beschaffung. Soweit weit es möglich war, wurden Produzenten aus der nahen Umgebung berücksichtigt. 2-005

 

Rechnung von Mützenmacher Carl Holy Nastätten über die Anfertigung und Lieferung von 33 Stück Feuerwehrmützen.

Rechnung von Seilermeister Philipp Lambert Nastätten über die Anfertigung und Lieferung von 4 Stück Rettungsleinen.

Quelle: Gemeindearchiv Welterod H 839 Feuerwehrdokumente 1913 – 1976

Die Firma Magirus, Ewald & Lieb aus Ulm erhielt den Hauptzuschlag. Sie lieferte unter anderem: Lederhelme, Dienstmützen, Nassauer Normaljoppen (Uniformen), Achselstücke, Ärmelabzeichen, Steigergurte, Steigerseile, Steigerbeile und zahlreiche weitere Ausrüstungsgegenstände. 2-020

Im Frühjahr 1914 war die Freiwillige Feuerwehr Welterod die am besten ausgerüstete und einsatzfähigste Brandschutzeinheit im weiten Umkreis. Doch dann kam die Katastrophe:

  1. August 1914 eine Zeitenwende. Der Weltkrieg begann. Was als kurzer Blitzkrieg geplant war, wurde zum 4 Jahre dauernden Inferno. Viele der aktiven Wehrmänner kamen zum Militärdienst und an die Front.

Von den 15 gefallenen Welteroder Männern waren auch 3 Gründungsmitglieder der
Freiwilligen Feuerwehr Welterod

Gedenktafel der Gefallenen 1914 – 1918  auf dem Friedhof Welterod.

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Die 1. Generalversammlung nach dem Krieg fand am 30. März 1919 im Gasthaus Kern statt 2-005

Generalversammlung für 4 Kriegsgeschäftsjahre
Geschehen:   Welterod, den 30. März 1919
Anwesend:  24 Mitglieder

Tagesordnung
1.)  Bericht über den Vereinsstand der 4 Geschäftsjahre
2.)  Besprechung über weitere Ausbildung der Wehr
3.)  Ersatzwahl für die durch den Krieg verlorenen Mitglieder
4.)  Besichtigung der Uniformstücke
5.)  Vereinsangelegenheiten
Gemeindearchiv Welterod H 839 Feuerwehrdokumente 1913 – 1976 Auszug

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation in den Nachkriegsjahren ging der Wiederaufbau der Wehr voran. Nachdem im Spätherbst 1923 die Hochdruckwasserleitung in Betrieb genommen war, brachte dieses gewaltige Vorteile -auch für die Feuerwehr. 2-010 Es konnte zumindest in den unteren Ortsteilen direkt vom Hydranten mittels Standrohr gelöscht werden. Für die höheren und weiter abgelegenen Gebiete reichte der Wasserdruck immer noch aus, um die Feuerwehrspritze zu füllen, wodurch die Personalstärke der Wassermannschaft verringert werden konnte.

Im Jahr 1925 trat der erkrankte Wehrführer August Zorn zurück. Seine Stelle übernahm der von den Mitgliedern gewählte August Tönges.

 

Bild links:                                     
August Tönges                           
Wehrführer von 1925 – 1937
02 – 030

Für das Jahr 1928 wurde das 15jährige Gründungsfest geplant und zu diesem Zweck war eine Erneuerung der Uniformen geboten. Auch in diesem Fall bat man Gemeinde, Kreisverwaltung und Versicherungen um Unterstützung.

Textentwurf: Schreiben an die Gemeindevertretung 2-005

Den Zuschlag erhielt die Firma Maury & Co. Offenbach

Am 22. und 23. Juli wurde in Welterod Feuerwehrfest gefeiert
Es war zwischen den beiden Weltkriegen die größte Veranstaltung des Dorfes.

Der Festsplatz
im Wiesgarten
vom 22. bis 23. Juli 1928 2-015

Die Musik wurde an beiden Tagen von der Kapelle Steeg gemacht. 2-035 In unserer Region war, vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre, die Kapelle Steeg die bekannteste Musikkapelle.

Die Kapelle Steeg vor dem 1. Weltkrieg. 2-015

Willi Steeg gefallen im 2. Weltkrieg 2-015

In den 1920er und 1930er Jahren hatten die Musiker eine Feuerwehruniform, die sie bei Umzügen und offiziellen Anlässen trugen.

Bild links:                                                           Philipp Schwan, der auch die Funktion des Hornisten bei der Feuerwehr ausübte. 2-015

Das Fest wurde auch wirtschaftlich ein großer Erfolg. Neben den Umsätzen an Getränken kamen die Abgaben der Essensanbieter, 2-030 der Eintritt und die Abgaben der Musikkapelle. 2-035 Der Überschuss wurde für die Restzahlung der Uniformen und für Ausrüstungsgegenstände verwendet.

Umsatz am Bierstand Feuerwehrfest 1928

Bild links:
Getränkekarte Feuerwehrfest 1928 

30. Januar 1933 eine scharfe Zäsur auch für die Feuerwehren

Die nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei übernahm die Regierung im Deutschen Reich. Die öffentliche Verwaltung hatte nationalsozialistisches Ideengut in die Praxis umzusetzen. Auch die deutschen Feuerwehren, egal ob Freiwillige, Werks- oder Berufsfeuerwehren, waren davon betroffen und wurden gleichgeschaltet. Alle Feuerwehren fasste man zudem in einer straffen reichseinheitlichen Organisation zusammen. Die Neugründung von freiwilligen Feuerwehren kam in Gang, da Pflichtfeuerwehren als nicht ausreichend galten.

Das Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 28. Dezember 1933 bestimmte, dass in allen Orten mit mehr als 500 Einwohnern Freiwillige Feuerwehren aufzustellen seien. Daran hielten sich auch die meisten Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern, weshalb es im Jahr 1934 zu einer nahezu flächen-deckenden Gründung von neuen freiwilligen Feuerwehren im deutschen Reich kam. Auch die freiwillige Feuerwehr der Nachbargemeinde Strüth entstand am 2. August 1934, 2-040 in dessen Folge sich der Spritzenverband Welterod/Strüth endgültig auflöste.

Die noch heute aktuelle dreiteilige Löschgruppe (neun Mann), bestehend aus Angriff-, Wasser-, Schlauch-trupp plus Melder, Maschinist und Gruppenführer, wurde im Dritten Reich für alle Feuerwehren verbindlich.

Im Jahr 1936 hielt bei allen Feuerwehren die Storz-Kupplung, als Reichnormalkupplung in den Größen A, B, C und D, Einzug.

Bild links:
Ingenieur Guido Storz erhielt 1882 das
Patent für die von ihm entwickelte
Feuerwehrkupplung.

Der Schlauchanschluss der Welteroder Feuerspritze war bereits im Jahr 1927 mittels einem Adapter von Schraub-gewinde auf  „Storz 48 mm“ und 1932 auf „Reichsnormal-kupplung Storz 52 mm“ (die spätere Größe C) umgerüstet worden. 2-025

 

Im September 1934 nahm Maurer-meister Karl Urban an einem Feuer-wehrlehrgang in der Baugewerbe-schule Idstein teil. Hierbei fand auch eine Ausbildung an der Motorspritze statt. 2-015

Der Ausbildungs- und Übungsdruck auf die örtliche Feuerwehren wurde deutlich erhöht 2-005

Nach dem Rücktritt von August Tönges Im Jahr 1937 übernahm Karl Urban, nach einer Probezeit von 5 Monaten,  das Amt des Wehrführers. 2-005

Bild links:     
Karl Urban Wehrführer von 1937 – 1947. 2-015

Ebenfalls im Jahr 1937 erfolge der Umbau des offenen Brandweihers zu einer geschlossenen Zisterne. Um die Handdruckspritze weiter mit Eimern befüllen zu können, entstand zusätzlich ein betonierten Schöpfbecken, welches noch bis in die 1960er Jahre, vor allem in trockenen Jahreszeiten, von der Dorfbevölkerung für die Friedhof- und Gartenbewässerung benutzt wurde. 2-015

Die überregionalen Verpflichtungen, der freiwilligen und noch zum geringen Teil Pflichtfeuerwehren, nahmen zu. Ein Beispiel hierfür ist die trockene Witterung im Jahr 1938, während der vier Welteroder Bereitschafts-Mannschaften abwechselnd in Nastätten stationiert waren. 2-005

Bereitschaften der frw. Feuerwehr
I. Bereitschaft:  Führer Karl Urban
Philipp Berg, Johann Mackauer, Karl Roßbach, Emil Weldert, Karl Hilge.

II. Bereitschaft Führer August Tönges
Ernst Vogel, Karl Kern, Willi Steeg, August Breidenbach, Richard Nefferdorf.

III. Bereitschaft  Führer Ernst Schmidt
August Zorn, Karl Schmidt III, Wilhelm Birkenstock, Adolf Lenz, Karl Schwarz.

IV. Bereitschaft Führer Walter Hilge
Rudolf Hartung, Philipp Schwan, Richard Schmidt, Richard Back.

1. September 1939

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges begann die größte Herausforderung des 20. Jahrhunderts für die Welteroder Feuerwehr. Es wurden sechs lange Jahre in, denen die nicht zum Wehrdienst eingezogenen Wehrmänner auf eine harten Probe gestellt wurden.

Um die Aufgaben erfüllen zu können, wurde zunächst die Ausrüstung verbessert. Darüber hinaus bekam die Wehr, wie alle anderen Nachbareinheiten auch, eine straffe militärische Befehl- und Gehorsams-struktur.

Verbesserung der Ausrüstung 2-005

1940 begann die Renovierung des Spritzenhauses. Außerdem beschaffte man neue Druckschläuche, einen Verteiler und weiteres Löschmaterial. Ein Stahlhelm nach Wehrmachtsmuster, ersetzte den alten nassauischen Lederhelm.

Im November 1942 bekam die Welteroder Wehr eine Motorspritze „Balcke Record TS 8/8“, einen Spritzenanhänger TSA und das notwendige Zubehör. 2-005

Balcke TS 8/8 Modell „Record“ 2-045

Tragkraftspritzenanhänger TSA,
geliefert von der Firma Balcke.
Musterbild des Herstellers

Die Spritze hatte einen Breuer 2takt-Motor. Sie war bis in die 1970er-Jahre, zuletzt als Reserve-spritze, im Einsatz.

Die feldgraue Farbe behielt das Fahrzeug bis Ende der 1960er-Jahre. Nach mehreren Bean-standungen wurde es danach in Feuerwehrrot umlackiert.

Um die Wehr mobiler zu machen, kaufte die Gemeinde im Mai 1943 von Heinrich Back den LKW Ford A-2 901 389 mit Plane und Spriegel. Das Fahrzeug diente als Zugfahrzeug und das Führerhaus und die Ladefläche wurde für den Mannschaftstransport genutzt. 2-005

Ford Lastwagen Modell A-2 Musterbild des Herstellers 2-015

Die Kraftfahrer des Fahrzeuges waren August Göller und Willi Himmighofen. Es gab zahlreiche Einsätze. Der weiteste führte die Wehrmänner, nach einem Bombenangriff im August 1944, bis nach Frankfurt.

Mit welcher Härte am Schluss des Krieges die Disziplin aufrechterhalten wurde, zeigt der Belehrungs-text, der am 11.06.1944 von jedem Wehrmann unterschrieben werden musste. 2-005

Von den zahlreichen Einsätzen, die die Welteroder Feuerwehr während des Krieges zu leisten hatte sind leider nur wenige dokumentiert. Zwei Beispiele zeigen, wie bei allem mutigen Einsatz Lob und Tadel der damaligen Obrigkeit beieinanderlagen. 2-005

Als am 27. März 1945 die Amerikaner einmarschierten und damit der Krieg für Welterod zu Ende war, verschwand das Ford-Kraftfahrzeug der Feuerwehr auf ungeklärte Weise. Für die Freiwillige Feuerwehr Welterod ging es ohne Unterbrechung weiter. Das im Krieg erworbene übrige Gerät sollte bei zahl-reichen Einsätzen noch wertvolle Dienste leisten.

Quellenangaben und Erklärungen FW Teil 2

02 – 005       Gemeindearchiv Welterod H 839 Feuerwehrdokumente 1913 – 1976

02 – 010       Bericht: Welterod in der Weimarer Republik

02 – 015        Bildersammlung Bernd Köhler

02 – 025       Gemeindearchiv Welterod Gemeinderechnungen 1927 und 1932

02 – 030       Gemeindearchiv H 839 Vertrag mit Metzger Karl und Adam Seibert von 1928.
Vertragsinhalt: Die Metzgerei Seibert aus Ransel liefert und verkauft das Essen während der Festtage. Als Vergütung sind der Freiwilligen Feuerwehr Welterod 50 Reichsmark abzugeben.

2 – 035       Gemeindearchiv H 839 Vertrag mit der Musikkapelle Steeg von 1928
Hinweis: Die Musikkapellen bezogen in dieser Zeit ihre Einnahmen durch den Verkauf von Tanzbändchen, die  für eine ganze Veranstaltung gültig waren oder durch die Bezahlung einzelner Tänze (das sogenannten Zoppen) durch die Tanzpaare. Von diesem Erlös mussten die Musiker einen Teil an den Veranstalter abliefern.

02 – 040       Festschrift 75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Strüth im Jahr 2009

02 – 045      Geräteausstellung Feuerwehrfest 1988  

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