Hof Angschied
Zu unserer Gemeinde gehört auch der Hof Angschied mit großen Waldbezirken, welcher vor der Säkularisierung dem Kloster Schönau gehörte und allein der Abt auch für die Rechtsprechung zuständig war. Es gehörte vormals auch eine sogenannte Pfarrwaid dazu.
Lt. Codex Diplimaticus Nassoicus Band I, Buch 2, Seite 467 Absatz 792 :
Ritter Kuno von Gerolstein und Kuno dessen Sohn erlassen dem Kl. Schönau die von ihm beanspruchten Gefälle des Hofes Angschied, wogegen das Kloster auf Ersatz des ihm zugefügten Schaden von 30 Mark verzichtet. Schönau 1268
Schon im selben Jahre wurde der Hof Angschied als Eigentum des Klosters erwähnt, als die von Geroldstein auf die Bede (Grundsteuer) verzichteten.
Im Staatsarchiv von Wiesbaden Abt. 361 Nr.1 befinden sich Familienblätter für die Orte Welterod, Lipporn und Strüth aus dem Zeitraum von 1720 – 1860 und früher, aus diesen geht hervor, daß der Tod auch auf dem Hof Angschied, wie in der ganzen Vogtei, bei den Pestepedemien von 1613 und 1624 reichlich gewütet hatte. Es sind 7 Tote in 1613 und 5 Tote in 1624 vermerkt, Männer, Frauen und Kinder.
Lt. einem Eintrag XVIII. im Buch „Rettung derer Freiheiten des Klosters Schönau“ gab es eine Neuverpachtung auf dem Hofe durch den Abt Melchior am 22.02.1488 für vierundzwanzig Jahr. Der Abt hat sich gewisse Dienste ausbedungen. Jährlich 2 Brunnenfahrten, eine Pfahlfahrt und zwölf Weiden setzen. Die Hofleute dürfen die Wälder nutzen für Bauten am Hof, aber nur mit Wissen des Abtes. Ihr Holz zum Brennen darf nur im District Pfaffenberg geschlagen werden
Ausschnitt Karte Amt St.Goarshausen 1828

Ausschnitt Karte Rhein-Lahn-Kreis

Am 7. August 1744 zu Preßberg wurde Gericht gehalten wegen frevlericher Beholzigung und Weydgang. Laut Aussage eines Cornelius Schäffgen, 62 Jahre alt, welcher 30 Jahre und sein Vater 60 Jahre auf dem Hof gewohnt haben. Im Jahre 1709 ist er weggezogen. Er berichtet, daß der Pfaffenberger Wald in alleiniger Benutzung der Angschieder Hofleute ist und kein Lipporner, Strüther oder Welteroder Bürger dort etwas zu suchen hat. Ebenso die Dornhecke in Schnappenhell, was er schon von seinem Großvater weiß (Num. LXXXVII. Rettung der Freiheiten des Klosters Schönau).
Im Jahre 1786 Gesuch des Johannes Leitz, Sohn des Philipp Leitz Kloster Schönau, zeitlicher Pächter auf dem Hofe Angschied um Erlaubnis zur Heirat mit Charlotte Hiller, Tochter des Johann Hiller vom Pathfester Hof gräflich Sickinger Besitz. Pfarrer Chun von Welterod beantragt bei der Obrigkeit in Miehlen einen „ Aufrufschein ” (später öffentlicher Aushang) . Der Heiratswillige wolle auf dem Hof wohnen, da sein Vater nicht mehr lange leben werde. Er könne auch zu seinem Schwiegervater auf den Pathfester Hof ziehen. Mit ihm und seinen 8 Geschwister, sein ältester Bruder gebrechlichen Leibes. Mit Hilfe des Schwiegervaters will er den Hof bewirtschaften. Die Genehmigung wurde durch die Regierung in Weilburg erteilt und kostete 2 Gulden.
Am 07.12.1802 wurde der Hof Angschied zusammen mit dem Kloster Schönau verstaatlicht.
Im Jahre 1809 waren die Gebrüder Wilhelm und Anton Schneider Eigentümer. Der Hof bestand insgesamt aus 109 Morgen Acker, Wiesen, Trieschland und steiles Land. Es wurden folgende Gebäude aufgezählt: Ein Wohnhaus, der unterste Stock aus Stein gebaut, eine Scheune ein Schuppen, ein Backhaus und ein Stall die alle gemeinschaftlich genutzt wurden. Wälder gehörten nach der Säkularisierung nicht mehr zum Hofgut, sondern dem Staat.
Die Gemeinde Meilingen beschwerte sich 1821, daß der Hofmann Schneider keinen tauglichen Faselochsen (Deckbullen) unterhalten hatte. Dazu waren die Eigentümer verpflichtet (alte Verpflichtungen noch wie aus Klosters Zeiten) im Zeitraum vom 25. März bis 25. Juli.
In 1828 wird ein Andreas Fischbach im Stockregister von Welterod erwähnt. Vor ihm war Johann, Georg Leitz Pächter auf dem Hof. 1852 heiratet die jüngste Tochter von Fischbach, Anna-Margaretha-Philippina, einen Johann Peter Nies aus Lorchhausen. Herr Fischbach hat zu diesem Zeitpunkt den Hof in drei Teile aufgeteilt, die er seiner Tochter, sowie seinen Söhnen Andreas junior und Johannes, für jeweils 70 Gulden jährlich verpachtet.
Lt. Verordnungsblatt Hess.-Nassau vom 15.02.1841, Amt St. Goarshausen: wird ein Andreas Fischbach vom Hof Angschied als Landeigentümer, welche zur Wahl bei der Deputierten-Versammlung aufgestellt wurden, erwähnt.
Es ist einzigartig, daß alle Parteien unter einem Dach wohnten. Die jeweilige Größe des Anteiles am Gebäude lag bei 5 Meter Breite und 9 Meter Tiefe. In heutiger Zeit unvorstellbar. Das gesamte Land war in Kleinparzellen aufgeteilt. Es gab drei Gemarkungsbezeichnungen, Oberfeld, rechts und links vom Hilgenrother Pfad.
Bald darauf baute Johann-Peter Nies auf dem Anteil seiner Frau eine Scheune. Am 05.02.1855 wurde die Tochter Elisabetha geboren und bald darauf, am 01.11.1855 verstarb seine Ehefrau Anna-Margaretha-Philippina. Kurz darauf jagte Andreas Fischbach seinen Schwiegersohn vom Hof.
Es entwickelte sich ein Rechtsstreit um die neu erbaute Scheune, ausstehende Pacht und die Erbberechtigung für Elisabetha Nies, der mit dem Tod von Andreas Nies sen. 1858 zu enden schien. Schon 1860 zog Johann-Peter Nies mit seiner Tochter wieder auf den Hof Angschied und schloß mit seinen Schwägern einen Vertrag. Er erhielt das oberste Drittel des Stalles, welches er zu einer Wohnung umbaute. Außerdem erhielt er von den Brüdern Fischbach je 60 Gulden und das alte Holz zum Bauen. Dafür verzichtete er auf die von ihm erbaute Scheune. Im selben Jahr heiratete er seine zweite Frau mit der er noch weitere 8 Kinder hatte.
Nach dem Tod seines Schwagers Andreas Fischbach junior wurden dessen Äcker an verschiedene Nutzer verpachtet. Sein Anteil wurde später an Rübenach aus Dickschied verkauft, der kurz darauf tödlich im Steinbruch verunglückte. Nach dem Tod von Rübenach kaufte Jakob-Carl Ludewig aus Kemel dieses Hofteil. Er heiratete Louise Berghäuser, die Tochter von Philipp-Anton Berghäuser.
Folgende Beständer erscheinen im Jahre 1880: Johann Peter Nies, Philipp Jakob Berghäuser Witwe Rübenach (Anm. Besitz durch Ankauf des Anteils von Andreas Fischbach junior); der Name Fischbach erscheint nicht mehr.
Der Anteil von Johannes Fischbach wurde von Johannette, der Witwe des Samuel Marxheimer, gekauft und ging vor 1888 in das Eigentum von Philipp-Jakob-Anton Berghäuser über, der aber noch in 1888 starb.
In 1907 erscheinen folgende Eigentümer: Peter Nies Karl Ludewig Philipp Philipp Jakob Berghäuser
Nach den Tod von Luise Ludewig, geb. Berghäuser, kam es zu erheblichen, sogar tätlichen, Erbstreitigkeiten. Der Hofanteil von Berghäusers konnte aus diesem Anlaß mehrere Jahre nicht bewirtschaftet werden. Berghäuser pachtete von seinem Nachbarn Peter Nies, sowie in Weidenbach, Welterod und Strüth Feld um zu überleben. In 1928 wurde der Hofteil Berghäuser zwangsversteigert. Der neue Besitzer war Karl Auer. Er verpachtete seinen Teil an Wilhelm Berghäuser, den vormaligen Eigentümer. Für sich baute er 1929/30 ein Wochenendhaus und später einen Stall dazu.
1941 überschrieb Heinrich Nies seinem Sohn Franz den Hof, um ihn vom Wehrdienst freizustellen, der Vater erhielt Kost und Wohnung. Die Geschwister wurden von Franz ausbezahlt.
Während des Krieges 1939/45 kam die Familie Block als Heimatvertriebene aus Ostpreussen auf den Hof. Nach Kriegsende zog Familie Schulz, ihre ebenfalls heimatvertriebenen Verwandten aus Ostpreussen zu ihnen. Schon 1951 verließen die Familien Block und Schulz den Angschied, sie zogen nach Lollschied und nach Welterod.
Ansichts-Karte “ Heideschänke „

Am 01.05.1950 eröffnete Familie Nies die Gaststätte „ Zur Heideschenke”. Hauptsächlich sonntags kamen Wanderfreunde und erfreuten sich an selbstgebackenem Brot, hausmacher Wurst und Schinken. Im Juni sollte eine Tanzveranstaltung auf dem Hof stattfinden. Sie konnte wegen dem starken Regen nicht stattfinden.
Die Landsiedlung kaufte den Hofanteil von Auer. Die heimatvertriebene Familie Pfeiffer wurden auf dem Hof ansässig. Doch schon in 1955, nach längeren Streitereien mit Familie Ludewig, zogen sie auf den Hof Kirchheimersborn bei Bad Ems. In 1956 übernahm Heinrich Nies den Hof Angschied und kaufte den Anteil der Familie Pfeiffer. 1958 begann die Umlegung und es kam erneut zu Streitereien mit den Ludewigs.
Nach langen Jahren der Zersplitterung und verschiedener Besitzer kauften die Brüder Heinrich und Gerhard Nies die beiden Anteile zurück. Gerhard Nies errichtete eine neue Siedlung und Heinrich Nies blieb auf dem Altbesitz.
Verfasser: Berthold Back und Christa Debus
Quellen: HHST Wiesbaden Abt. 152 Nr. 976, Abt. 212 Nr. 1801, Abt. 250/3 Nr. 215,
Auszüge aus der Abhandlung von Eberhard Schüchen
Auszüge aus der Familienchronik von Nies