Hof Rödel

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Vormals gab es in unserer Gemeinde, Gemarkung Rödel zwei stattliche Höfe ( schon um 1250 bekannt als Rudele, Redel, Riedel) die das von ihm benannte Rittergeschlecht von Rüdeln, Rodel und Broch von Rüdeln nebst den Adligen von Laurenburg von den Grans von Rheinberg zu Lehen trugen und diese haben lt. Urkunde von 1381 auf die Lehensherrlichkeiten verzichtet s. Auszug:

Kunt sy allen Luden, – das ich Henne Grans, und Simon Grans von Rynberg, Gebrudere, han getan einen ewigen ganzen Besitz – uff alle die erbschaft, freiheit, und Herschaft, die wir oder unser erben hatten – von den hoffen zu Rüdeln, als sie Dyther, Sifrid, und Peter von Rüdeln von uns zu Lehen hatten, und sagen die vorgen. Personen ire eyde und ihr manschafte, die sie von uns gethan hant, – quyt, ledig, und lois, und sullent und mogent – bit den vorgen. Hoffen zu Rüdeln – dun und lassen, brechen und bussen, keifen und verkaifen, als mit anderen iren eigen Guden; und eygen yn daz, als wir Heyne von Lurenburg sin deil daselbes auch geeygend han.

Lt. Num. XX. im Buch Rettung derer Freiheiten und Rechte des Klosters Schönau wurde der Hof Riedel (Rödel) in 1377 von den Gebrüdern Johann und Simon Grans von Rheinberg an den Henn von Laurenburg für 100 Gulden mit allen Rechten verkauft.Dieser verkaufte s.oben genanntes Buch Num. XXI. den Hof in 1383 an Dieter (genannt Dietert)  Brochs von Riedlen. Zu den Besitzungen der Höfe gehörten Ländereien rund um die Höfe und auch der Drauschwald.

Ausschnitt Karte Herzogtum Nassau von 1819

Ausschnitt Karte Herzogtum Nassau von 1819

In dem Buch Rheingauische Alterthümer des Landes-und Regimentsverfassung von Bodemann von 1819 steht auf Seite 341:                            Nr. 46) Von Rüdeln                                                                                                                                                                                    Ein minder beträchtliches Edelgeschlecht unseres Reingaues waren die nur selten auftretenden von Rüdelin. Es wohnte zu Lorch und gab dem bei Wollmerschied gelegenen Rüdlinshofe seinen Ursprung und Name. Außer dem, das im Jahre 1396 ein Sifrid Edelknecht, daraus mit seiner Hausfrau Ermengard sichtbar wird, finden wir noch einige andere in einer ungedruckten Urkunde aus dem Jahre 1381 s.oben.

Der Abtei Schönau wurde 1382 einer der Höfe verkauft (wahrscheinlich der sogenannte Unterhof)

Abt Wilhelm schreibt im Jahr 1382 „ Wir Wilhelm von Gottes Gnaden Abt zu Schönau erkennen uns mit diesem Brief, und tun kund allen Leuten, die diesen Brief ansehen, oder hören lesen, daß Wir han  angesehen Unser und unseres Convents Bestes und Nutzen, und han Uns und unserem Convent kauft ”.                                                                                                                                                                1384 schreibt „ Ich Dieter Broch von Rüdellen Edelknecht erkenne  mich mit diesem offenen Brief für mich und meine Erben ab solchen vierthalb hunder Gulden, als mir der Ehrsame Herr Wilhelm von Gottes Gnaden Abt zu Schönau S.Benedicti Ordens Trierischen Bistums und  der Convent gemeintlich daselbst schuldig sein ”.

Bis 1. Mai 1476 hatte Katharina Rheingraf den Oberhof als Wittum (vom Ehemann bei der Hochzeit an die Ehefrau übertragenes Recht Einkünfte aus diesem Besitz zu erhalten). Gegen eine Leibrente gab sie dieses an Nicolaus Broch ab.

Vor Heinrich von Staffel, Schultheiß, und den Schöffen zu Lorch werden Nicolaus Broch von Rödel und Katharina Rheingraf durch Johann Bethe, Altaris zu Lorch, Johann von Waldeck, Bernhard Culmann, Vogt, und Johannes Ingebrant, Bürger zu Bingen, miteinander über den Besitz des Hofes Rödel geeinigt, den Katharina bisher als Wittum hatte und an Nicolaus für eine Leibrente abteilt.  1. Mai 1476

Am 22. März 1479 verkaufte Nicolaus Broch von Rüddeln und Lutgard von Ulinssen (Uließen)  dessen Gemahlin, dem Abt Melchior von dem Konvent Schönau für 550 Gulden dem ihnen gehörigen „obersten Hof” zu Rüddeln (Rödel) mit allem Zubehör. Lediglich 13 Malter Korn sind vom Kloster an die Jungfrau Katharina Ringebin in Bingen, die Schwägerin des Verkäufers, lebenslang abzuführen. Der Verkauf wurde von dem Schultheisen von Lorch Henrich Berge gesiegelt. 450 Gulden wurden bezahlt und von Kessler, Schultheiß von Lorch besiegelt.

Im Staatsarchiv von Wiesbaden befinden sich Familienblätter für die Orte Welterod, Lipporn und Strüth aus dem Zeitraum von 1720 – 1860 und früher, aus diesen geht hervor, daß der Tod auch auf dem Hof Rödel, wie in der ganzen Vogtei, bei der Pestepedemie von 1613 reichlich gewütet hatte, es sind 13 Tote vermerkt, Männer, Frauen und Kinder. Bei der Epedemie in 1624/25 sind auf dem Hof Rödel keine Tote vermerkt.

Bei den beiden Höfen handelte sich um zwei Hofraiten die gemeinsames Nutzungsrecht für Back-, Hirtenhaus und Zugbrunnen hatten.

Das Kloster verpachtete die Höfe an verschiedene Pächter, die die Güter verwalteten und Abgaben an das Kloster abgeben mußten.  Nach der Säkularisierung 1802/3 fielen alle Besitztümer der Klöster der nassauischen Regierung zu.

Im Jahre 1805 wurde der Besitz neu verpachtet an die bisherigen Pächter Hiller und Zimmer (mit allen Rechten und Verpflichtungen, wie es zu Klosters Zeiten war). Vertraglich verpflichten mußten sich die Pächter den Gemeinden Laurenburg und Scheidt (alte Verpflichtungen aus der Zeit vor 1381 als ein Laurenburger s.oben noch Mitinhaber war)  auf eigene Kosten vom 25. März bis 25. Juli einen Faselochsen (Deckbulle)  zur Verfügung stellen. Die begünstigten Gemeinden mußten sich das Tier holen und auch zurückbringen. Außerdem wurden die Pächter verpflichtet, bei Reparaturen der Schönauer Kirche Fahrdienste zu leisten. Die Pacht belief sich auf 4.200 kg Korn und 2.000 kg Hafer, zuzüglich 40 Gulden. Für damalige Verhältnisse eine stattliche Summe.

Ein Hinweis im Vertrag ist lesenswert: Diese Zahlungen sollen bleiben wie bisher, Preise wie zu Klosters Zeiten. Es wurden erwähnt: Zwei Wohnungen, Stallungen und Hirtenhaus. Gesamtgröße 148 Morgen Land, bestehend aus Ackerland, Wiesen und Trieschland, dazu ein Garten von 500 qm. Die Äcker waren zum großen Teil von schlechter Qualität.

Der Wohnkomfort in den Häusern war nach heutigen Vorstellungen alles andere als komfortabel:                                                                Das Wohnhaus des Pächters Zimmer im Jahre 1805: Im untersten Stockwerk eine Wohnstube mit drei Fenstern und einem zweisatzigen Ofen, von dem der obere Teil der Platten abgesprungen sind. Neben der Wohnstube gab es eine Kammer mit einem Fenster. In der Küche ein Fenster, eine eiserne Herdplatte, einen eingemauerten Kessel. Der Keller hatte einen Eingang an der Küchentüre im Haus. Der obere Stock eine Stube mit vier alten Fenstern, kein Ofen. Daneben eine Kammer mit einem alten Fenster. Vom oberen Stockwerk führte eine Stiege zum Speicher.

Zum Haus gehörten Stallungen für zehn Stück Rindvieh und ein Ochsenstall für zehn Ochsen und eine Scheune.                                          Das Wohnhaus des Pächters Philipp Hiller war noch primitiver. Ein Raum hatte sogar gar keinen hölzernen Boden (nur festgestampfter Erde -Lehm-). Zum Teil waren die Stallungen im Haus untergebracht. Schon in 1805 waren die Gebäude in einem sehr schlechten Zustand. Die Dacheindeckung bestand teils aus Stroh, teils aus Schiefer.

Am 3. April 1817 gab es eine Neuverpachtung. Bei dieser Verpachtung ersteigerte ein Major von Vielliez den Hof für 440 Gulden. Dieser hatte von Anfang an Zahlungsschwierigkeiten und wurde am 15. Dezember 1823 vom Pachtvertrag entbunden.

1824 wurde der Hof erneut ausgeschrieben, Pachtzeit 1824 bis 1835. Philipp Zimmer wurde alleiniger Pächter. Schon 1825 gab es Zahlungsprobleme und drei seiner Bürgen verlangten Berücksichtigung beim Verkauf der Ernte „ auf dem Halm ” wegen rückständiger Pacht. Im selben Jahr besitzt Zimmer kein Vermögen mehr.

1825 ersteigert Georg Hilge aus Patersberg für 760 Gulden die Erbleihe. 1828 stürzt das obere Wohnhaus ein und wurde in 1830 vollständig abgebrochen. Der eigentliche Hofraum bleibt als Parzelle bestehen. Außerdem beklagt Hilge Raumnot für seine Landwirtschaft. 1832 will er den Hof auf drei seiner Kinder aufteilen, was die Obrigkeit ablehnt.

1834 ist Hilge 60 Jahre alt und stellt den Antrag an die Domänenverwaltung zum Verkauf an den Interessenten Friedrich Eilers aus Wernigerode. Am 30.01.1834  verkauft Hilge den in Erbleihe (erblich gegen Zins verliehenes Grundstück, heute in weitestem Sinne mit dem Erbbaurecht vergleichbar) bestehenden Hof Rödel mit 187 Morgen Acker, Wiesen und Trieschland an Ernst Friedrich Eilers für 6.050 Gulden.

Im Jahre 1838 stellt Eilers eine Antrag auf Herabsetzung der Erbpacht gegen Abtretung eines Teiles seiner Hofländereien zur Anlage von Wald.

1842 will Eilers aus Altersgründen aus dem Vertrag ausscheiden. Zu diesem Zeitpunkt besteht der Hof aus einem zweistöckigen Wohnhaus, zwei Scheunen, einem Backhaus, vier Stallungen und einem Holzschuppen, sowie 125 Ruten Hofraum. Eilers wollte in 1843 eine Pachtminderung und 1844 wurde der Hof daraufhin neu taxiert.

1845 Kaufvertrag Friedrich Eilers mit Freiherr Friedrich von Eyk und Ehefrau Anneliese, Victoria zum Kaufpreis von 7.500 Gulden. Da von Eyk Zahlungsschwierigkeiten hatte will er im Jahre 1846 70 Morgen Land an die herzogliche Domänenverwaltung verkaufen.

Von Eyk läßt den gesamten Hof vermessen und parzellieren und zwischen 1847 und 1851 die einzelnen Parzellen verkaufen. Der eigentliche Hofraum bleibt als Parzelle bestehen                                                                                                                                                        Als neuer Eigentümer der Hofraite erscheint 1847 ein Johann Wilhelm Groß. Im gleichen Jahr wird ein Stall und das Backhaus abgebrochen. In 1848 brannte das unterste zweistöckige Wohnhaus und die letzte Scheune ab.

Mauerreste Hof Rödel im Vordergrund

Somit ist nach mehr als 600 Jahren die Geschichte des Hofes Rödel untergegangen. Es sind nur noch einige wenige Mauerreste am Wegrand im Gestrüpp übriggeblieben (siehe Bild Ch.Debus ).

 

 Verfasser : Berthold Back und Christa Debus

Quellen: Archivar D.F.W.Roth aus dem Amt St.Goarshausen, Rettung der Freiheiten des Klosters Schönau,

Auszüge aus der Abhandlung von Eberhardt Schüchen

HHStAW Bestand 164 Nr. U 408, Bestand 83 Nr.U 32, Abt. 361 Nr. 1