Schulchronik
Lt. den Aufzeichnungen des Pfarrers Plebanius der von März 1607 bis 1618 Pfarrer in Welterod war und den Familienblätter HHSt. Wiesbaden Abt. 361 Nr. 1, starb am 6.12.1612 der Schulmeister Christian Diemer als erstes Pestopfer der großen Pestepedemie 1612-1613. Ein Thüringer zu Strüth (über 20 Jahre) Schneider und Schulmeister. Er hatte die Schule übernommen. Er soll 50 Jahre alt gewesen sein und seit drei Jahren im Amt. Wahrscheinlich war er der erste Schulmeister in Welterod.
Weitere Aufzeichnungen in den Familienblättern zu folgenden Schulmeistern bzw. Schuldienern:
Syler, Michael, Schulmeister, die Geburt seiner Tochter Anna, Agatha 19.04.1621
Findling, Wilhelm, Schulmeister, Geburten von Söhnen 1657 und 1658, Konfirmation eines Sohnes Weihnachten 1663
Duphenig, Johann, Anton, Schulmeister 47½ J. † 12.03.1730. Zu diesem Schulmeister steht in „ Die Schildwacht ”, einem Nach= Richtenblatt der Familie Nefferdorf , um 1700 ist Schulmeister Duffing da, der selbst seit etwa 1683 in Welterod Schule hielt, ohne die Zeit, daß er sich vorher bei seinem Vater, der auch Schulmeister gewesen, aufgehalten. Somit dürfte der folgende Ludwig, Christian Duffing in dritter Generation in Welterod Schulmeister gewesen sein. Eine Nachfahren-Liste von Elisabethe, Luisa geb. Nefferdorf aufgelistet von Rudolf Crecelius bestätigt dies.
Duffing, Ludwig, Christian (Schuldiener 1753 über 23 J.) * 20.07.1710 † 18.06.1753 (Sohn von Johann, Anton Duffing/Duphening) lt. Sterbeeintrag gestorben nach 6-wöchigem Krankenlager an Wassersucht.
Frankenfeld, Johann, Henrich, Schuldiener, bei ihm sind in den Familienblättern Geburten von Kindern in den Jahren 1755 bis 1770 verzeichnet.
Nefferdorf, Philipp, Henrich, Schuldiener *12.09.1746 † 14.06.1774 bei seinem Tode waren 2 Söhne verzeichnet
Kemmenau (Cemmenau), Johann, Wendel , 17 Jahre Schulmeister der Vogtei Schönau † 9.12.1791 (58 J. 6 Mon. 21 Tg.) – Schule Welterod –
Stoetzer, Johann, Peter, Schulmeister u. Glöckner, Welterod vorher Rettert † 29.03.1798 im Alter von 37 Jahren
Auszug aus dem Bericht von Richard Back bezüglich der Welteroder Schulckronik (Herr R.Back lag damals nicht der I. Teil Welteroder Schulchronik vor.
Die Lehrerausbildung erfolgte auf dem Lehrerseminar in Idstein, ebenfalls simultan. Die Lehrerbesoldung wurde einheitlich mit jährlich 200 bis 500 fl geregelt ( fl = Gulden, 1 Gulden = 60 Kronen). Die Bezahlung war so, daß der Lehrer nebenbei unbedingt noch Landwirtschaft treiben mußte. Dafür wurde Schulland zur Verfügung gestellt. Die Einnahmen aus dem Schulland und Nebeneinnahmen aus dem mit dem Schulamt noch verbundenen kirchlichen Aufgaben als Organist, Glöckner, Vorsänger, teils
auch als Kirchendiener, wurden angerechnet. Die Besoldung erfolgte zunächst durch die Gemeindekasse, später, weil es oft zu Unerträglichkeiten führte, durch das Staatliche Rentamt. Im Schulbau sollten genügend großer Klassenraum zur Verfügung gestellt werden und Wohnraum für den Lehrer. Das Herzogtum Nassau erhielt 1817 eine Verfassung, eine der ersten in Deutschland überhaupt, und ein Schulgesetz mit einer Schulordnung. Erstmalig wurde geregelt: Schulpflicht, ein Lehrplan, Lehrerausbildung, Schulaufsicht, Schulbau, Lehrerbesoldung.
Das Unterrichtswesen gliederte sich in Volks- und Gelehrtenschule. Das gesamte Schulwesen unterstand der Regierung, und dadurch hörte die frühere völlige Abhängigkeit der Schule und Lehrer von der Kirche weitgehend auf. Die Aufsicht erfolgte in den Gemeinden durch den örtlichen Schulinspektor, den Pfarrer, unterstützt durch den Schultheiß und 2 bis 3 Mitglieder des Gemeindevorstandes oder Feldgerichts.
Darüber stand im Amt St.Goarshausen, ein Schulinspektor, ein von der Regierung bestimmter Pfarrer der Region. Erstmalig wurde die Schulpflicht für alle Kinder von 6 bis 14 Jahren eingeführt bei einer wöchentlichen Unterrichtszeit von 30 bis 32 Stunden. Erstmalig in Deutschland war die Schule eine Simultanschule, wo alle Kinder gemeinsam die Schule besuchen ohne Rücksicht auf die Konfession. Der Unterricht wurde nach einem vorgeschriebenen und sehr detaillierten Lehrplan erteilt und sollte der Fassungskraft der Schüler entsprechen.
Die älteste Welteroder Schulchronik beginnt am 2. Juni 1798 mit Lehrer Bautz .
Sie beginnt mit den folgenden von Lehrer Bautz geschriebenen Worte:
„ Die früheste und frühere Geschichte die hiesige Schule betreffend, liegt bei dem gänzlichen Mangel an Urkunden in einem so tiefen Dunkel, daß von ihrer besten Begründung und Gestaltung gar nichts und von ihrem ferneren Bestand nur folgendes gesagt werden kann: Die evangelischen Einwohner der Gemeinde Welterod, Strüth u. Lipporn hielten gemeinschaftlich, da ihre Zahl sehr gering gewesen sein mag, ihren Kindern einen Lehrer.
Obgleich Welterod kurz nach dem dreißigjährigen Krieg aus 8 Häusern bestanden haben soll, so war dieses doch größer als das aus etlichen Hofhäusern bestehende Strüth und das durch den dreißigjährigen Krieg zerstörte Lipporn.
In Welterod wurde deswegen der gemeinschaftliche Unterricht besorgt. Man wählte zu diesem Behufe (Zweck) einen Mann der die Kinder während der strengeren Wintertagen, wenn auch nicht lesen, doch buchstabieren lehrte.
Zum Schreiben unterrichtete man selbst am Ende des achtzehnten Jahrhunderts wöchentlich nur eine Stunde und zwar nur die Schüler, die unterrichtet zu werden verlangten.
Man hielte es geradezu für Ketzerei das weibliche Geschlecht schreiben zu lehren. Rechnen lehrte das Leben, nicht die Schule.
Der Lohn, den dieser Lehrer bezog, war durch ein Auverd (Entlohnung), den er bei der Übernahme des Geschäfts mit den Eltern der Kinder geschlossen hatte, festgesetzt.
Der Sage nach war Schullehrer Duffing der erste, der 1730 durch ein Decret von fürstlichem Konsistorium der Schule Welterod als Lehrer beigegeben wurde. Er wirkte gleichzeitig mit dem Pfarrer Konrad Kayser bis 1750.
Von seiner ferneren Geschichte ist indessen nichts bekannt.
.
Sein Nachfolger war Schullehrer Frankenfeld von 1750 bis er, 1772 des Lasters der Trunkenheit beschuldigt, entlassen wurde.
Ihm folgte 1772 Philipp Nefferdorf aus Welterod als Lehrer. Gedrückt von kränklichen Gesundheitsumständen wirkte dieser bis zu seinem Tod 1775.
Schullehrer Wendel Kemenau aus Hömberg Amts Nassau war sein Nachfolger. Er hatte wie sein Vorfahrer den Pfarrer Chun zum Vorgesetzten und starb kinderlos 1792. Die Schule wurde von dem Schulkandidaten Walther von Miehlen bis zum nächsten Frühling verwaltet. Deffenetiv wurde nun dem Schullehrer Johann Peter Stötzer von Rettert die Schule übertragen. Er wirkte unter Pfarrer Chun von Nahrungssorgen gedrückt, bis er 1798 Vater von fünf unerzogenen (minderjährigen) Kinder in äußerster Armut starb ″.
Diesem folgte nun am 2. Juni 1798 den soeben mit dem Niederschreiben dieser einzelnen Bruchstücke der Geschichte hiesigen Schule beschäftigte Schullehrer Bautz.
Nach meiner Ausbildung und mehreren Anstellungen wurde ich an die hiesige Schule versetzt. Ich bin 1772, den 14. August geboren. Meine Eltern waren Johann Peter Bautz u. Maria Kath. Vonhaus von Weilmünster.
Die bewilligte Besoldung laut Decret
- Zwölf Malter Korn Mainzer Maas geliefert von den Kirchspielsglieder
per Malter 5 fl 60
- Zehn Malter Glockenkorn von hiesiger Gemeinde 50
- Sechs Klafter Holz per Klafter 14 fl 84
- 200 Wellen per 100. 5 fl; 30 kr. 11
- Feldgüter im Anschlag zu 10 fl
- Freie Wohnung 20
- Von jedem Schulkind 20 kr. Schulgeld 140 Kinder an der Zahl 40 fl.40kr.
- Baar 40 fl.
- für Entschädigung des Schulgeldes, welches die Kathol. Kinder die nun=
mehr die Schule in Schönau besuchen nicht mehr bezahlen 20
- Für Ackendezien 12
353 fl.40kr. (Florentiner u. Kreuzer)
Lehrer Bautz beschreibt: jährlich wird die Schule im Frühjahr und im Herbst von einem Schulinspektor überprüft. Inspektor Löhr aus Braubach hat die Schulinspektion über hiesige Schule, welcher auch von 1811 – 1817 zweimal Examen hielt. In 1815 wurde das ganze Schulwesen im Herzugthum Nassau neu organisiert, wie im Verordnungsband von 1817 zu ersehen ist. Kraft dieser neuen Einrichtung die Schule Welterod dem Inspektionsbezirk St. Goarshausen zugeteilt. Zum Schulinspektor dieses Bezirkes wurde zugleich Herrn Pfarrer Stifft von Weisel ernannt. Schon im Juni 1818 wurde Schulinspektor Stifft nach Dillenburg versetzt. Die Schulinspektion wurde Pfarrer Hinzemann aus Bornich übertragen . Die neue Organisation des Nassauischen Schulwesens betrifft auch hiesige Schule. Die Gemeinde Lipporn erhielt ihren eigenen Lehrer. Die Gemeinde Strüth bildete die Schule zu Schönau. Welterod hatte von nun an einen Lehrer für sich, dem in seiner Person folgende Besoldung zugeteilt wurde:
|
a. |
Aus der Gemeinds Kasse |
120,- |
|
b. |
Sechs Klafter Buchenholz u. 200 Wellen |
67,- |
|
c. |
Aus der Geminds Kasse wegen zu hohem Preiß des Holzes |
33,- |
|
d. |
Von Güter Anschlag |
10,- |
|
e. |
12 Mainzer Malter (?) Korn als Kantor im Anschlag |
60,- |
|
f. |
Als Organist |
30,- |
|
g. |
Als Glöckner |
20,- |
|
h. |
Für die Wohnung des Schulhauses |
20,- |
|
|
Sa – |
360,- |
Er vermerkt, daß während seines hier seins, also von 1798 noch weder für Dach noch Fach, noch für Fenster oder Tür gesorgt wurde. Weder Lehrer noch Schüler waren geschützt vor Wind noch Wetter; für einen besseren Zustand des Schulhauses konnte aber auch nicht gesorgt werden, da die Frage offen war; Wer hat die Schule zu bauen? Da die herzogliche Domaine Kirche und Schulbau, den früher das Kloster Schönau zu besorgen hatte, letzteres aber im Jahr 1808 von Herrschafts wegen aufgehoben wurde, nicht besorgen wollte.
Die Domäne (Staat) die des Klosters Besitzungen übernommen hatte, weigerte sich die Pflicht des Klosters die Schule zu bauen zu vollziehen. Die Frage entschied der Prozeß im Jahre 1815 dahin, daß die Domaine verpflichtet sei für Kirch- und Schulbau zu sorgen.
Lehrer Bautz berichtet: „ Lehrer und Schüler hiesiger Schule waren von jeher mit einem äußerst schlechten, dem Zwecke nicht entsprechender, die Gesundheit zerstörender Lokale versehen. Für eine bessere Einrichtung des Schulhauses, besonders des Lehrerzimmers, war soweit noch lebende Menschen denken können nicht gedacht worden. ″
Im Jahre 1818 wurde das bisherige Lehrzimmer seiner allzu großen Gebrechlichkeit wegen verlassen und die hiesige Rathaus =
stube zum Lehrzimmer für 140-150 Kinder einstweilen benutzt (das alte Rathaus in der Gibgasse). Im Herbst dieses Jahres trennten sich die Welteroder, Strüther und Lipporner Schüler und das Unterrichten ward bei größerem Raum erträglicher.
Nun wurde auch an höherer Stelle an einen neuen Schulbau gedacht und siehe da, im Jahre 1820 stand das jetzige, für den Lehrer und seine Familie weder bequem noch geräumige Schulhaus da. Da Lehrer Bautz schon früher für ein eigenes Unter =
kommen zu sorgen hatte (Nach Überlieferungen war es das heutige Haus Rheingaustr. 14) bezog er das neue Schulhaus nicht.
Entwurf für das Schulhaus in Welterod.
(Kopie aus „Herzogthum Nassau 1866 ″ , Anlage 4)Heute Lipporner Straße 4
Lt. Bericht von Richard Back befand sich das Lehrzimmer im 1. Stock .Zu meiner Schulzeit war der Schulraum rechts im Erdgeschoss vom Hof aus gesehen.
Die Gesamtzahl der Schüler der früheren Kirchspielschule Welterod belief sich auf 140. Jetzt, da jedes Dorf des Kirchspiels Welterod einen eigenen Lehrer hatte, ist die Zahl der Schüler hiesiger Schule nach Geschlecht wie folgt:
4te Classe Knaben 6 Mädchen 6 12
3te Classe Knaben 6 Mädchen 8 14
2te Classe Knaben 6 Mädchen 10 16
1te Classe Knaben 12 Mädchen 9 21
63
Am 10. September 1827 verstarb nach 15wöchigem Krankenlager Lehrer Bautz im Alter von 55 Jahren .
Ihm folgte am 1. Januar 1828 Lehrer Zimmermann.
Er berichtet von seiner Ausbildung und seinen bisherigen Wirkungsstätten. Folgendes Gehalt wurde ihm zugesagt:
Einhundertfünfundneunzig Gulden sodann 195 fz.
- freie Wohnung zwanzig Gulden 20 fz.
- Benutzung der Schulländereien im Anschlag
zehn Gulden 10 fz.
b.) Als Glöckner
- aus dem Kirchenfond zwanzig Gulden u. als Organist 20 fz.
c.) Als Organist
- aus dem Kirchenfond dreißig Gulden 30 fz.. Dezember
275 fz. Wiesbaden am 18. Dezember 1827
Bei der Frühlingsprüfung am 12. März 1828 war die Anzahl der Kinder 76.
Weiter berichtet Lehrer Zimmermann in den folgenden Jahren von den Schulprüfungen unter wechselnden Prüfern. Bei der letzten Prüfung von Lehrer Zimmermann im Frühjahr 1854 unterrichtete er 85 Schüler und Schülerinnen . Er wurde zum 01. April 1855 mit 278 fz. pensioniert.
Am 1. April 1855 beginnt der Dienst von Lehrer Philipp Konrad Datz, geboren am 30. Juli 1808 in Hausen, Amt Usingen. Nach seiner Ausbildung unterrichtete er an mehreren Stellen bis er an die hiesige Schule versetzt wurde.
Seine jährliche Besoldung als Lehrer und zugleich Organisten der hiesigen evangelischen Kirche betrug:
Zweihundertzweiundsiebzig Gulden 272 fz. (fz. = Gulden)
2 Wohnung angeschlagen zu 20 fz.
3 Schulgut 24 fz.
4 an Holz u. Receptur 20 fz.
II als Organist
5 aus dem Localkirchenfond zu Welterod 50 fz.
386fz. (= Gulden)
Außerdem hatte der zu Welterod neu angestellte Lehrer Datz 8 fz. jährl.aus der Gemeindekasse zu Strüth zu beziehen, welche als Vergütung für den an die evang. Schulkinder zu Strüth zu erteilenden Unterricht im Kirchengesang festgesetzt worden sind. Lt. Stockbuch:
.
Verzeichnis der Schulgüter bei der Anstellung des Lehrers Datz zu Welterod
I Äcker
Ruthen Schuh
1) 18 97 Acker ober dem dreieckigen Garten an Wilhelm Fuhr und
Johann Philipp Katzmann.
2) 18 97 Acker am Angel an Heinrich Kern und dem Weg.
II Wiesen
3) 5 69 Wiese im Wiesgarten an Peter Nefferdorf beiderseits.
4) 95 Wiese im Wiesgarten an Justus Schmidt und dem Pfad.
5) 23 72 Wiese am Waizenhaus an dem Wald und dem Weidboden.
6) 71 15 Wiese am Angel oder die Hohl genannt an den Anstößern zu beiden Seiten.
7) 37 95 Wiese am Sauerbornsweg , ringsum der Wald.
III Gärten
8) 11 85 Garten bei dem Schulhaus, an dem Schulhaus und Johann Heinrich Saueressig
. 89 25 Das hier angegebene Maaß ist das Metermaaß.
Auf Antrag des Lehrers Datz wurde, unter großer Schwierigkeit, endlich von der Baubehörde genehmigt, daß noch im Laufe des Jahres (1855) am Schulhaus folgende Arbeiten auf Rechnung herzoglicher Domäne gemacht werden.
1) Reparatur an 3 Thüren in der Lehrerwohnung.
2) Reparatur der 2 Fenster in den Mansarden und an einem in der Wohnstube.
3) Anfertigung einer neuen Thüre am oberen Speicher.
4) Erneuerung der Schwellenbretter an der Stuben- und Küchenthüre.
5) Ankauf eines passenden Kochofens in die Wohnstube und Versetzen des vorhandenen in die Schlafkammer
6) Anfertigung der nöthigen Rohren zur Abführung des Rauches aus den Öfen und dem Kochherd.
7) Anfertigung einer eisernen Klappe im Schornstein.
8) Theilweise Erneuerung der dem Einsturz drohenden Decke in der Schulstube (Originaltext)
Lehrer Datz berichtete während seiner ganzen Lehrtätigkeit ausführlich über die jeweilige Wetterlage und auch die Ernteerfolge,
bzw. Mißernten. Z.B. 1855;
Warme Frühlingswitterung trat in diesem Jahr spät ein. Die erste Hälfte des Jahres war feucht, die letzte dagegen trocken. Heu hatte es, wie gewöhnlich gegeben. Dagegen war die Kornernte gering ausgefallen. Weizen, Hafer und Gerste ließen nichts zu wünschen übrig. Das Gemüse war der anhaltenden Trockenheit wegen sehr zurückgeblieben und die Kartoffelkrankheit, welche dieses Gewächs schon 10 Jahre heimgesucht hat, zeigte sich teilweise in minder hohem Grade. Obst war hier im Allgemeinen wenig vorhanden. Die Herbstwitterung war freundlich. Noch im Herbst stiegen alle Früchte sehr im Preise. So galten 160 Pfund
Korn 15 fz 30, ebensoviel Weizen 18 fz 15 nur die Gerste 11 fz 15. Diese ungewöhnlichen Preise war indeß auch eine Folge des Krieges, den England, Frankreich und Russland miteinander führen.
Lehrer Datz beschwert sich immer wieder über die unzulänglichen Verbesserungen am Schulgebäude, so auch in 1857 :
„ Bei dieser Hartneckigkeit im Verweigern zweckmäßiger Verbesserungen am hiesigen, unzweckmäßig eingerichteten Schulhause wird hier nie ein Lehrer recht zufrieden sein können. Was auf eine von mir gemachte sehr offene Darlegung der Mängel am Schulhause an die Herzogliche Landesregierung erfolgen wird, kann noch nicht angegeben werden ″. (Originaltext)
Über die verschiedenen Bauarbeiten am Schulhause waren zwischen der Herzoglichen Domäne, dem Amt und dem Ortsvor= stand mehrfache Verhandlungen erfolgt. Aber es ist nicht zu einem Resultat gekommen. Lehrer Datz hatte sich in 1857 an die Herzogliche Schulinspektion gewandt und darin um Vergrößerung des Ökonomiegebäudes, einen neuen Eingang in den Keller aus dem Inneren des Hauses, die Errichtung einer weiteren Toilette und noch andere kleinere Reparaturen an Fenstern und Türen und Fußböden gebeten. Die Herzogliche Domäne versucht zu beweisen, daß die Vergrößerung des Ökonomiegebäudes nicht in ihrer Verpflichtung liege. Die übrigen Arbeiten aber nicht dringend nötig seien. Doch ist dem Lehrer verboten worden, künftig das Schulholz auf dem Schulspeicher aufzubewahren.
Zum Ortsvorstand 1858 gehörten 1) Bürgermeister Peter Nefferdorf, die Gemeinderäte 2) Christian Göller 3) Friedrich Kern
4) Peter Saueressig. Pfarrer Georg Schupp war zu der Zeit Seelsorger in der hiesigen evangelischen Gemeinde.
Ganz unerwartet, wurde noch in Jahr 1858 die Vergrößerung des Ökonomiegebäudes beschlossen. Auf das einstöckige, beschränkte Gebäude soll ein 5 Fuß hoher Stock, der 3 Fuß an einer Stelle sogar mehr (früheres Längenmaß zwischen 25-34 cm ) über den unteren hervorragt, gebaut werden. Die Versteigerung der Bauarbeiten wurde in Caub vorgenommen und der Bau sollte schon bis 1. August fertig sein; es ist aber darüber doch Oktober geworden. Folgende Handwerker waren beteiligt: Zimmermeister Gilles und Dachdecker Peter Staat von Kaub, Maurer Peter Hilge, Schreiner Andreas Göller, Tüncher Eisenbach von hier und Schlosser Stylger von Strüth. Die Gemeinde hat die Verpflichtung die Baumaterialien bis auf eine Entfernung von 3 Stunden Wegs herbeizufahren. Alle Fahrten außerhalb der hiesigen Gemarkung wurden versteigert und die Ausgaben dafür betragen etwas mehr als 100 fz. Durch diesen teilweisen Neubau ist dem drückensten Bedürfniß einiger= maßen abgeholfen worden. Zugleich werden auch hierbei noch einige andere Übelstände beseitigt. Endlich wurde auch das äußerst schlechte
Kellergeschoß durch ein neues ersetzt. Die Herzogl. Domäne will nun alle weiteren Misstände entfernen.
Das Verordnungsblatt № 13 vom 12. Juni 1858 brachte endlich die Verbesserung der Lehrerbesoldung.
1859 Am 17. Januar überbrachte der hiesige Bürgermeister folgendes Schreiben des Herzoglichen Amtes an Lehrer Datz.
Herzogliche Landesregierung hat beschlossen zu Welterod eine Lehrerstelle zu belassen und deren Gehalt in folgender Weise festzusetzen;
1) Bar aus der Gemeindekasse 420 fz
2) Wohnungsanschlag 20 fz
3) Anschlag des bisherigen Schulgutes
bestehen daraus 39 Ruth. Acker,
1 Morgen 39 Ruth 46 Schuh Wiesen
1 ″ 11 ″ Garten
zusammen zu 20 fz
4) aus Herzoglicher Receptur 20 fz
5) Gemeindenutzungen zu 10 fz
angeschlagen, aber nicht aufzurechnen.
6) Als Organist und Vorsänger aus der
Kirchencasse zu Welterod 30 fz,
wovon decretmäßig nichts in Aufnahme kommt 480 fz. ( Abschrift)
Mit Verordnung vom 28. Dezember 1858 bestimmte die Nassauische Landesregierung folgendes für die Gemeinde:
Infolge des amtlichen Auftrags bestimmte nun der Gemeinderath folgende Ländereien zu Schule:
1) Im District Feldseihen 3 № vom Pfad an a 60 Ruthen
2) Das kleine Dreieck unterhalb des Todenhofes 5 Ruthen
3) Im District Weizenhaus 3 № auf der Höhe a 60 Ruthen
4) Im district Ullmark 1 № a 60 Ruthen
5) Eine Wiese im Schiffchen a 54 Ruthen
Von Herzoglichen Landesregierung wurden aber nur Pos: 1, 2 u. 5 im Anschlage zu 10 fz genehmigt. Die Barbesoldung aus der Gemeindekasse beträgt daher jetzt nur 410 fz.
Berichte von Lehrer Datz:
1859 daß wie in den früheren Jahren, den oberen Schulknaben praktischer Unterricht im Beschneiden und in der Behandlung der Obstbäume erteilt wird. Durch die verbesserte Anlage der Baumschule war es möglich geworden jede Obstsorte, der vom jetzigen Lehrer veredelten Obstbäumchen, genau bestimmen zu können.
1860 Durch die stattgefundene Vermessung des Gemeindewaldes sind auch die Grenzen, der Schule gehörigen Waldwiesen, etwas anders reguliert worden. Der Lehrer hatte dadurch etwas Holz erhalten.
1861 über die Fortbildung der Jünglinge und jungen Männer im Gesangverein, der an einigen Abenden während des Winters, in dem Schulzimmer stattfand. Auch die Industrieschule (Handarbeitsschule) für die Schulmädchen, die wohl schon länger bestand wird erwähnt.
Am 18. Oktober 1863 wird die 50-jährige Feier der Leipziger Völkerschlacht auch hier festlich gefeiert. Es war ein Sonntag, der mit einem Festgottesdienst begann. Auf der „ Schildwacht ″ war ein großer Holzhaufen aufgetürmt worden für ein Freudenfeuer. Abends versammelte sich die Gemeinde und zog zur Schildwacht. Es gab Ansprache des Pfarrers und Gesänge. Die Schüler, welche zur Erinnerung Pretzeln erhalten hatten, tanzten jetzt um die hoch auflodernden Feuer.
Der nassauische Lehrerstand hat am 21. August 1864 zur Ehre seines Herzogs eine Stiftung gegründet, der er auf höchste Ge =
nehmigung den Namen Adolphsstifung geben durfte. Sie hatte den Zweck, armen Lehrerwaisen, die Ausbildung zum Lehrer oder einem anderen Berufe zu finanzieren .
1866 nach dem Sieg der preußischen Waffen bekam Welterod am 16. Juni, sowie am 17. und 19. September preußische Einquartierung und Nassau ging nun an die Krone Preußen über. Somit hat unser Herzogthum aufgehört ein selbständiger Staat zu sein. Bei den Lehrern Nassaus gab es Befürchtungen das gute Unterrichtsgesetzt zu verlieren und sie könnten in Bezug auf ihre Stellung, Besoldung, ferner in Bezug auf Pensionierung, auf Witwen- und Waisenversorgung Schaden leiden. Deßwegen wurde eine allgemeine Lehrerversammlung nach Limburg a.d.Lahn angeordnet, wozu jede Inspektion ihre Deputierten entsendete. Um an Seine Majestät dem König, die Wünsche der Lehrer Nassaus darzulegen. Die Versammlung fand den 27. und 28. Dezember statt. Lehrer Datz vertrat die Lehrer der Inspektion Weisel.
Lehrer Datz berichtet von dem wirtschaftlichen Aufschwung der Welteroder während seines Hierseins von 1855 bis 1866 und welche neuen Gebäude in der Zwischenzeit entstanden sind: Nachfolgenden Scheuern sind nicht an die Stelle alter getreten
Neue Scheunen
1) 1855 Jacob Mackauer, dem Pfarrhaus gegenüber (heute Rheingaustr. 8)
2) 1855 Heinrich Christian Nefferdorf, auf der Seite der vorigen nach Strüth zu (heute Rheingaustr. 4)
3) 1857 Jacob Schwarz, oberhalb des Rathauses
4) 1857 Jacob Wüst im Wiesgarten (heute Gartenstraße 40)
5) 1859 Philipp Wiesenborn auf dem Kippel ( heute Rödelerweg 9 )
6) 1859 Georg Philipp Erlenbach, am Wege links nach Lipporn (heute Lipporner Str. 9)
7) 1860 Peter Crecelius oberhalb des Pfarrhauses ( heute Rheingaustr. 9 )
8) 1860 Philipp Hilge unten am Kippel (heute Rheingaustr. 35)
9) 1861 Philipp Schmidt am Wege rechts nach den Trinkbrunnen (Anbau) ( heute Rheingaustr. 28 ? )
10) 1862 Jacob Meisster, nördlich der Kirche (das „ Gasthaus zur Post“ welches in 1975 abgerissen wurde)
11) 1863 Wilhelm Sauereßig, am Wege nach Espenschied, letztes Gebäude ( heute Rheingaustr. 37)
12) 1866 Peter Katzmann, neben Peter Crecelius, südlich des Pfarrhauses ( heute Rheingaustr. 10 ) Häuser
1) 1860 Förster Menges letztes Haus am Weg nach Strüth; jetzt Abraham Schönberger (heute Rheingaustr. 2)
2) 1862 Johann Göttert, Nagelschmied, auf dem Kippel, nach der Angeleck, ein 2. Stock auf das Haus
3) 1863 Christian Michel, eine Wagnerwerkstätte mit Stuben im 2t Stock ( heute Rheingaustr. 34 )
4) 1863 Bürgermeister Sauereßig am Wege links nach Espenschied (s.oben № 11) ) Ställe
1) 1860 Aron Schönberg, Schlachthaus nebst Stall ( heute Rheingaustr. 35 )
2) 1862 Jacob Huppert auf dem Kippel (heute Rödeler Weg 6)
3) 1862 Philipp Hilge unter № 8 verzeichnet (s.oben № 8)
4) 1863 Peter Jacob Göller nördlich neben der Kirche ( heute Rheingaustr. 17 )
5) 1864 Peter Bautz, rechts am Wege nach Lipporn ( heute Lipporner Str. 5 )
6) 1863 Johann Sauereßig, der südlich von der Schule wohnt, einen Brunnen graben lassen ″.
1868 schreibt Lehrer Datz: Die Lehrerbesoldung in Preußen ist schlechter, als vorher im Herzogtum Nassau. Ein Schulgesetz
existiere auch nicht. Im Abgeordnetenhause in Berlin ist ein Schulgesetzt unterbreitet worden, dasselbe wurde aber gleich von Herrn Hause als ungenügend zurückgewiesen. Es bestimmte unter Anderem, daß in Städte unter 10.000 Einwohner das Minimum der Lehrerbesoldung 250 Thaler betragen, für die Schulstellen auf dem Lande war darin nichts bestimmt; aber nach einem Erlaß des Kultusministers wurde die Lehrerbesoldung zu ungefähr 150 Thr. festgelegt. Als Pension kann eine Lehrer nach
der Gesetzesvorlage selbst bei fünfzigjähriger Dienstzeit nur 120 Thr. erhalten. Das ehemalige nassauische Gesetz ist für die Lehrer viel günstiger. Ebenso sollte das Verhalten der Lehrer beschrieben werden.
Originalwortlaut von Lehrer Datz; „ Für den Altertumsfreund findet auch am 21. August (1872)HH gemachte Entdeckung hier ihren Platz, um so mehr, da sie mit dem Schulwesen dahier in Verbindung steht. Das alte Schulhaus dahier, welches seit 1820 in Privatbesitz übergegangen war und nördlich von der Kirche, südlich vom Röhrbrunnen auf der Ostseite der Straße steht, wurde in diesem Jahre reparaturbedürftig. Man fand über der Türe, welche damals auf der Südseite und nicht wie jetzt auf der Westseite angebracht war, folgende Inschrift: 1664 Johannes Henrichs. Es war dieses wahrscheinlich der Zimmermann. Auf der Westseite stand in schönen lateinischen Druckbuchstaben „Soli Deo Gloria Got allein die Ehr“. Das ganze Gebäude ist allem Anscheine nach in drei verschiedenen Perioden gebaut worden, denn die 3 Teile des Baues sind nicht durch Streckhölzer verbunden, sondern mit Eisen zusammen gehängt. Zuerst kam südlich das einfache Schulhaus, welches im unteren Stocke nichts weiter als eine Schulstube, nicht einmal eine Küche, im oberen Stocke ebenfalls nur eine einzige Stube enthielt. Später fühlte man sich gedrungen, eine Küche anzubauen und verlegte nun die Türe von der Süd- auf die Westseite. Durch diesen Anbau gewann man im zweiten Stocke ein Stübchen und einen Vorplatz zur Oberstube. Zur Betreibung von Ökonomie wurde später ein Stall nötig und dieser wurde nun wieder an den vorigen Raum nördlicher Richtung angehängt, wie jener ebenfalls in der Richtung an das eigentliche Schulhaus angebaut worden war.″
Bei dem mit obigem Eintrag erwähnten Anwesen handelt es sich um das spätere „ Gasthaus zur Post ” der Familie Kern, welches in 1975 abgerissen wurde.
Kultusminister Dr. Falk, hat gegen Ende des Jahres 1872 neun allgemeine Bestimmungen über das Volksschulwesen entworfen, wodurch alle früheren nicht gesetzlichen Bestimmungen aufgehoben werden. Hiernach sollen die Schüler in den einklassigen
Schulen, in welchen alle Kinder unter einem Lehrer vom 6 – 14 Jahren gleichzeitig unterrichtet werden, in 3 Stufen verteilt werden. Erste oder Unterstufe; Kinder von 6 – 8 Jahren, Mittelstufe; Kinder von 8 – 11 Jahren, Oberstufe; Kinder von 11 – 14 Jahren. Nach der nassauischen Einteilung gab es in solchen Schulen 4 Klassen, welche gleichmäßig Kinder von 2 Jahrgängen umfaßten. In Folge der neuen Bestimmung mußten nun andere Lehr- und Stundenpläne entworfen werden.
Am 2. April 1873 wurde das erste consolidierte Feld zwischen Welterod, Lipporn und Wollmerschied ausgegeben. Hinsichtlich des Schulgutes wurde endgültig bestimmt und zu Protokoll niedergelegt, daß auf dem Eishecker- und Hinterlöherfeld die Schule zu 50 Ruthen und 200 Ruthen Wiesen erhalten soll. Die sogenannte Sauerbornswiese soll zu Wald angelegt, dagegen die Weizenhauswiese bis ans Feld vergrößert werden. Im Ganzen wird die hiesige Schule 3½ Morgen Ackerland und 2 Morgen Wiesen bekommen. Am Ende der Consolidation soll über sämtliches Schulgut ein Verzeichniß aufgestellt werden.
Ab 1. Juli 1873 erhält Lehrer Datz folgende Besoldung; 400 rl (Kürzel rl = Reichstaler bis 1875, dann Mark)
Am 1. April 1880 wurde Lehrer Datz mit 1.200 Mk. pensioniert. Er wirkte 25 Jahre als Lehrer hier an der Schule.
Lehrer Datz hat während seines Hierseins genau aufgeschrieben, welche Lehrstoffe angeschafft wurden, welche Wetterbedingungen herrschten. Er beschrieb den Erfolg bzw. Misserfolg der einzelnen Frucht, Gemüse und Obstarten.
Die vakante Stelle wurde Lehrer Enderich zu Eschbach, Amt Usingen vom 1. April 1880 an übertragen;
Er wurde am 20. April in sein Amt eingeführt. 1888 Lehrer Enderich tritt in den Ruhestand.
Am 1. April 1888 wurde Philipp Heinrich Zey der Nachfolger von Lehrer Enderich. Die Schule zählte 77 Schüler: 40 Knaben, 37 Mädchen, wovon 63 evangelisch, 9 katholisch u. 5 jüdisch waren.
Bemerkung von Lehrer Zey: Lt. Verfügung v. 6. Oktbr. 1900:
„ Da die Schule von Welterod von 87 Kindern besucht wird, ist sie so lange
als Halbtagsschule einzurichten, bis die Schülerzahl auf 80 gesunken ist. ”
— Besteht dahier die Halbtagsschule, über deren Resultate später ungerechte Urteile gefällt werden mögen. —
In den Sommerferien 1901 vom 24. Juni bis 15. Juli sollte die baufällige Schule fertig repariert werden. Da die Umbauten der Schule viel Zeit beanspruchten, wurde nach langem Hin- und Herschreiben, der Tanzsaal des Herrn W.Back vom 12. August bis 21. September dafür angemietet. Am 30. September wurde das neue, sehr freundliches Lehrzimmer bezogen.
Nach Ostern 1905 betrug die Schülerzahl 72 und es besteht daher seit 1. April 1905 die einklassige Schuleinrichtung.
Am 14. Juni 1909 erhielt die Schule ihre längst zugesagten und nötigen neuen Schulbänke. Die Gemeinde hatte sich lange vorher vergebliche Mühe gegeben, die Domäne für deren Beschaffung verantwortlich zu machen. Die Kosten betrugen 491 M.
Vom 1.Juli bis 1. Oktober 1909 war Lehrer Zey aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt. Die Schule wurde drei Wochen von Strüth aus mit versehen. Während dieser Zeit wurden Kirche und Schule renoviert.
Ende des Teil I der Schulchronik, Schlußwort des Lehrers Zey – Original -;
„ Mit Schluß des Schuljahres endigte laut Genehmigung der Königl.Reg. zu meiner Pensionierung meine 12 jährige berufliche Tätigkeit. Ein körperliches Leiden zwang mich dem mir so lieb gewesenen Berufe früher als gedacht – Valet zu sagen. –
– „ Gott segne meine u. aller Lehrer Arbeit ! ” –
Welterod, d. 31. März 1912 Zey, Lehrer.
Beginn des II. Teils der Schulchronik 1912 bis 1969
Die Schulchronik Teil II beginnt mit den Worten: „ Ein neues Buch, ein neuer Abschnitt in der Geschichte unserer Schule. ″
Am 1. April 1912 wurde der Schulamtbewerber Ludwig Fischer eingeführt. Er führte als Erstes das Mädchenturnen ein und schaffte neue Lehrmittel an. Durch den Lehrer wurde eine Schulsparkasse gegründet, die Ende 1912 98 Mark enthielt.
Am 8. Dezember 1913 wurde Lehrer Fischer als 4. Lehrer an die Schule nach Kronberg versetzt.
Am gleichen Tag wurde Lehrer Fritz Schefski feierlich eingeführt. Bereits nach 4 Monaten, am 28. März 1914 wurde er an die Schule nach Hambach versetzt.
Am 1. April 1914 wurde Schulamtsbewerber Wilhelm Maurer sein Nachfolger. Die Schule zählt 52 Kinder, darunter sind 4 katholische Kinder und zwei jüdische.
- Dezember 1914 wörtlicher Eintrag Lehrer Maurer: „ Meine Stunde hat geschlagen. Morgen, Sonntag, 6. Dezbr., morgens 10.30 habe ich mich in Oberlahnstein am Bezirkskommando zu stellen. So leb`denn wohl, mein Welterod, Stätte meiner ersten Arbeit .″
Eintrag 22. März 1915 von Lehrer Ernst Keiper ; „ Auch mir war es vergönnt, an der hiesigen Schule zu wirken. Leider sind es noch zu wenig Stunden (20-21 Woche). Der Unterricht wird gekürzt, weil durch obigen Lehrer die Versehung der Schulstelle Strüth mit 17 Stunden geleistet wird. Am 1. Februar 1923 wird Lehrer Kimpel nach Kaub versetzt.
Ab 1. Februar 1923 wird der Schulamtbewerber Heinrich Wolfsheimer beauftragt die Schule zu verwalten. Schon am 15. Mai wurde Heinrich Wolfsheimer von hier abberufen.
Am 1. Juni 1923 wurde Lehrer E. Wiefelspütz hierher versetzt, Lehrer H.Wolfsheimer hatte vorübergehend die Stelle verwaltet. seine erste Lehrerstelle erhielt er in Lipporn und wirkte dort 7 Jahre.
Schuljahr 1923/24 Oberstufe Mittelstufe Unterstufe Gesamtzahl
Kn. Mädch. Kn. Mädch. Kn. Mädch. Kn. Mädch.
5 21 9 13 3 8 17 42
Die Gesamtzahl der Schüler beträgt 59, davon sind 44 evang., 14 kath. und 1 jüdischer Konfession.
Schuljahr 1931/32 Von diesen Schülern sind 44 evangelisch, 4 kath. u. 1 Kind jüdisch. (letzter Eintrag eines jüdischen Schulkindes)
Am 28. Juni 1934 beendete Lehrer E. Wiefelspütz seine Lehrtätigkeit in Welterod.
Am 1.Juli 1934 wurde die Lehrerstelle dem Lehrer Paul Wöll aus Klingelbach übertragen. Die Gesamtzahl der Schüler beträgt 63 . Unter den 63 Kindern sind 5 Kinder vom Landesaufnahmeheim zu Idstein. Am 16.09.1942 wurde Lehrer Wöll nach Strüth versetzt.
Am 15. Februar 1947 wurde Lehrer Rudolf Haxel, mit der Vertretung der Lehrstelle beauftragt. Er fand wenig erfreuliche Verhältnisse vor. Seit der Einberufung des Kollegen Wöll erhielten die Kinder nur wenige Stunden wöchentlich von Kollegen der Nachbarorte Unterricht. Von Frühjahr bis Herbst 1945 fiel der Unterricht sogar ganz aus, weil das Schulgebäude von Truppen belegt war. Dazu kam noch, daß die Schüler der ebenfalls verwaisten Volksschule des Nachbarortes Strüth an dem Unterricht in Welterod teilnahmen. Die stattliche Zahl von 98 Schülern aller Jahrgänge mußte von einer Lehrkraft unterrichtet werden und zwar geschah dies in zwei getrennten Abteilungen (1. – 4. + 5. – 8. Schuljahr). Auf Grund dieser mangelhaften Schulverhältnisse der letzten Jahre waren natürlich überall Lücken vorhanden, die sich besonders in den unteren Jahrgängen bemerkbar machten.
Am 17. Oktober 1947 erfolgte seine plötzlichen Einberufung zu einem Lehrgang an der Päd. Akademie in Bad Neuenahr. Nach dem Weggang von Herrn Haxel wurden die beiden Schulen Welterod und Strüth als zweiklassiges System von dem Schulhelfer, Herrn Kurt Keuper aus Kalkofen a.d.Lahn verwaltet.
Anfang Dezember 1944 (nicht chronologischer Eintrag) unterrichtete Lehrer Hugo Reeh, der zuvor in Oberlahnstein unterrichtete und dort nach den Bombenangriffen kein Unterricht mehr stattfinden konnte, die vereinigten Schulen Welterod-Strüth. Da die
Welteroder Schule durch Truppen belegt war, auf dem Rathaus in Strüth. Nach dem Einzug der amerikanischen Truppen am 27. März 1945 fiel der Unterricht bis zum Herbst 1945 aus. Ende Januar 1946 wurde er vom Amte suspendiert, erst mit Beginn des Jahres 1948 konnte er seinen Dienst wieder aufnehmen. Ungefähr einen Monat lang wurden die Kinder von Strüth und Welterod noch gemeinsam in Welterod unterrichtet. Herr Keuper betreute das 1. bis 4. Schuljahr und Herr Reeh den 5. bis 8. Jahrgang. Dann gelang es dem Bemühen der Gemeinde Strüth, die Trennung der beiden Schulen zu bewirken und aus der zweiklassigen wieder zwei einklassige Schulen zu machen. Herr Keuper siedelte nach Strüth über. Am 31. August 1948 wurden 3 Knaben und 3 Mädchen entlassen und nur 1 Junge aufgenommen. Die Schülerzahl beträgt jetzt 40.
Am 31.August 1949 wurden 2 Knaben und 4 Mädchen aus der Schule entlassen. Da die Aufnahme in Zukunft wieder zu Ostern stattfindet, beträgt die Schülerzahl nur 34. Im Laufe des Herbstes sind 2 Knaben und 2 Mädchen der Schule überwiesen worden; somit steigt die Zahl der Schüler auf 38 . An dem neuen Einschulungstermin (Ostern 1950) wurden 3 Knaben und 3 Mädchen aufgenommen; dadurch stieg die Schülerzahl auf 44. Im Laufe des Jahres wurden auch mehrere Flüchtlingsfamilien der Gemeinde zugewiesen. Nach Entlassung von 5 Knaben und 5 Mädchen am 31.8.1950 beträgt die Schülerzahl am 31.12.50 doch 43, da ein starker Zuwachs an Flüchtlingskindern zu verzeichnen war.
Am 1. April 1954. Die Schülerzahl betrug 29. Lehrer Reeh konnte sein 40jähriges Dienstjubiläum feiern.
Am 5. November 1955 fand die Grundsteinlegung für ein neues Volksschulgebäude statt. Die Zahl der Schulkinder beträgt 30 – 13 Knaben und 17 Mädchen, die von Lehrer Hugo Reeh betreut werden. Den Handarbeitsunterricht erteilt Fräulein Minna Friedrich.
Am 5. Mai 1957 wurde die neue Schule festlich eingeweiht.
Am 31. Mai 1958 tritt Lehrer Hugo Reeh in den Ruhestand.
Vom 1. August 1957 bis 31. März 1958 war Herr Wilhelm Dreßler aus St. Goarshausen als Vertreter tätig, er wurde nach Beendigung des Schuljahres 1957/58 an die Volksschule in Braubach versetzt.
Am 1. April 1958 wurde Lehrer Gerhard Julius zu seiner 1. Lehrerstelle eingesetzt. Am 13. Juli 1958 scheidet Lehrer Julius wieder von hier.
Am 1. August 1958 wurde Lehrer Edgar Schröter angestellt.
Die Schülerzahl beträgt nach Ostern 1960 45 (29 Knaben und 16 Mädchen). 33 Kinder sind evangelische und 12 katholisch. ⁷⁰
Vom 1.4.1966 – 30.11.66 läuft das 1. Kurzschuljahr. Eingeschult wurden 6 Knaben und 2 Mädchen. Die Schülerzahl betragt nunmehr 51: ( 28 Knaben, 23 Mädchen – 34 Kinder sind evangelisch, 17 katholisch.
Am 1.12.1966 wurde Frau Ellen Stein als weitere Lehrkraft an die Schule versetzt. Sie hat auch den Handarbeitsunterricht für Mädchen übernommen, nachdem Frl. Mina Friedrich nach mehr als vierzigjähriger Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden ist. Die Gesamtzahl der Kinder betrug am 1.12.1966 (II. Kurzschuljahr). Klasse I (1.- 4. Schuljahr: 34 – Frau Stein. Klasse II (5. – 9. Schuljahr: 26 – Herr Schröter. Klasse I wird im eigentlichen Klassenraum unterrichtet, Klasse II im bisherigen Gruppenraum. Mit dem 1.4.1968 wurde Frau Stein an die Mittelpunktschule in Nastätten versetzt. Nachfolgerin ist Frl. Ingrid Lenz aus Holzhausen a.d.H.
Am 31.7.1969 wurde Lehrer Schröter in den Ruhestand versetzt.
Seit dem 1. April 1968 unterrichtet Frl. Ingrid Lenz die Unterstufe ( 1. bis 4. Schuljahr ). Dies ist ihre erste Stelle. Nach dem Weggang von Lehrer Schröter die erste weibliche Schulleiterin.
Seit dem 21.4.1969 ist Lehrer Wolfgang Plondke hier. Am Anfang des Schuljahres 1969/70 besuchten achtundzwanzig Kinder das 5. bis 9. Schuljahr, neunundzwanzig Schüler die Grundschule. Seit den Herbstferien unterrichtet Frl. Lenz aus Platzgründen die Kinder (1. bis 4. Schuljahr) in dem Gemeindesaal.
Welterod, den 8.11.69 Ingrid Lenz
(Hier endet die Schulchronik .Die Welteroder Schule bestand noch bis Herbst 1970 , dann wurde sie aufgelöst u. die Kinder mußten alle nach Nastätten in die Mittelpunktschule).
Quellenverzeichnis und Hinweise
Familienblätter HHSt. Wiesbaden Abt. 361 Nr. 1: C – D № 315, O – Z № 282, A – G № 414, A – G № 337, A – G № 340, A – G № 429, G – H № 869, A – G № 171, O – Z № 531.
Alles ist in den Originalbänden der Schulchroniken Band I und II im Rathausarchiv zu finden und auf einer Abschrift auf einer CD.
Bilder : Bruno Birkenstock, Christa Debus, Peter Kern
Kürzel für Münzen : GenWiki
Verfasserin: Christa Debus